Mit „Du mich auch“ gab Dani Levy vor 25 Jahren sein Kinodebüt. Der Liebe zur Komödie blieb der in der Schweiz geborenen Regisseur und Schauspieler treu. Ob „RobbyKallePaul“, „Meschugge“ oder seinem großen Publikumserfolg „Alles auf Zucker!“, der mit sechs „Lolas“ ausgezeichnet wurde. Nach der Satire „Mein Führer“ mit Helge Schneider präsentiert Levy nun die Versager-Saga „Das Leben ist zu lang“: Ein von Krisen geplagter Regisseur will darin eine Komödie über den islamischen Karikaturenstreit machen. Mit Dani Levy unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

CineZone: Herr Levy, der Name Ihres Filmhelden Alfi Seliger klingt wie Alvy Singer, der „Stadtneurotiker“ von Woody Allen – wie viel Woody steckt in diesem Levy?

Dani Levy: Woody Allen hat sicher Pate gestanden für den Film, schließlich demonstriert er seit vielen Jahrzehnten überzeugend, wie man eine Biografie für Komödien verwerten kann und wie tragfähig es ist, menschliche Macken für einen Kinohelden zu nutzen. Ich finde es immer ermutigend, im Kino zu erleben, dass es anderen Menschen ebenfalls Schwierigkeiten bereitet, den eigenen Weg zu gehen.

Würden Sie mit diesem Alfi aus Ihrem Film gerne ein Bier trinken gehen?

Ich würde mit Alfi jederzeit gerne ein Bier trinken. Es ist doch sehr schön, sich mit Seelenverwandten auszutauschen und festzustellen, dass man mit seinen ganzen Daseins-Krisen und Fragen nicht alleine steht. Ich glaube, dass es viele Alfi Seligers auf dieser Welt gibt, und zwar in allen Bereichen des Lebens. 

Sind die Versager auf der Leinwand die Gewinner der Herzen?

Auf jeden Fall. Man will im Kino nicht immer nur Menschen sehen, denen es grundsätzlich gut geht. Viele Zuschauer kennen diese Ängste und können daran Anteil nehmen. Ohne Sorgen kann sich keine Komödie entwickeln, denn sie entspringt der Lebensnot: Man betrachtet die existenziellen Probleme mit Humor und daraus ergibt sich der befreiende, erlösende Effekt.  

Welche Ängste plagen Sie selbst?

Mein Lebensmotto heißt grundsätzlich: Angst ist ein schlechter Begleiter. Natürlich habe auch ich Angst, aber ich versuche, ihr möglichst wenig Raum zu geben oder sie in eine Komödie umzudrehen. Die Risiken bei den Hörnern zu packen kann schließlich wie ein Lebenselixier wirken.

Ihr Film handelt auch vom Karikaturenstreit. „Wollen Sie sehen, ob der Koran brennt“, fragt Gottfried John im Film einmal –  haben Sie keine Angst vor Reaktionen fundamentalistischer Fanatiker auf Ihren Film?

Ich hätte das nicht gemacht, wenn ich davor Angst hätte. Ich habe das Vertrauen, dass man mich als jemand wahrnimmt, der kulturelle Brücken schlägt und keine Gräben aufreißt. Die dänische Zeitung mit ihren Karikaturen oder Theo van Gogh standen am rechten Rand und haben gegen Muslime agiert – das verhält sich bei mir völlig anders. Ich habe Vertrauen, dass der Film auch in muslimischen Kreisen als differenzierte und intelligente Komödie gesehen wird.


Das Leben ist zu lang

 
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