M. Night Shyamalan hat seinen internationalen Durchbruch mitunter einem kleinen Jungen zu verdanken, der tote Menschen sieht. Dem jungen Schauspieler Haley Joel Osment brachte der Film eine Oscarnominierung ein, dem Regisseur öffnete sein „Sixth Sense“ die Tore Hollywoods. Heute, mehr als zehn Jahre später, setzt Shyamalan erneut auf die Talente eines unbekannten Nachwuchstalentes mit dem Namen Noah Ringer. Im Fantasy-Spektakel „Die Legende von Aang“ spielt dieser einen Avatar, der als einziger einem unerbittlichen Krieg zwischen vier Nationen Einhalt gebieten kann. In Berlin trafen wir den Regisseur zum Gespräch über sein heiß diskutiertes Werk.

CineZone: Mr. Shyamalan, wie kamen Sie auf die Idee, die Zeichentrickserie „Avatar: Die Legende von Aang“ zu einem bombastischen 3D-Kinoabenteuer zu machen?

M. Night Shyamalan: Einer der Gründe, warum ich diese geplante Trilogie unbedingt machen wollte, ist meine Begeisterung und Verehrung für den japanischen Filmemachers Hayao Miyazaki. Ich habe sogar ein Bild von ihm in meinem Büro.

Wann hat sich dieser Wunsch konkretisiert?

Ich habe den Entschluss dazu bereits vor drei Jahren gefasst. Danach hat es eine halbe Ewigkeit gedauert, all die Sets in Grönland aufzubauen, die Kostüme zu entwerfen und alles für den Dreh vorzubereiten.

Was sagen Sie zu den Kritiken, die Ihnen vorwerfen, dass Sie für die eigentlich asiatische Hauptrolle einen amerikanischen Schauspieler engagiert haben?

Dieser Vorwurf ist völlig lächerlich und entbehrt jeglicher Grundlage. Wenn diese Kritiker jetzt hier wären, würde ich sie innerhalb von drei Sekunden komplett auseinander nehmen.

Legen Sie los!

Es ist ein wesentlicher Merkmal von Anime, sich nicht eindeutig auf eine Nationalität festzulegen. Meine Kinder sehen sich in den Figuren, unsere spanischen Freunde meinen, die Charaktere sehen so aus wie sie. Zudem ist Noah Ringer ein beinahe haargenaues Abbild der Zeichentrickfigur. Im Übrigen gibt es gar kein asiatisches Kind, das so aussieht wie Aang.

Trotzdem gab es haufenweise Beschwerden von Fans und Kritikern, die Ihnen „whitewashing“ vorwarfen und teilweise sogar dazu aufriefen, Ihren Film zu boykottieren.

Sie wollen mich zum Aushängeschild für Rassismus machen? Bitteschön, nur zu (ironisch). Aber sehen Sie, auf dem Filmposter ist neben Noah Ringer auch Dev Patel abgebildet. Dazu ist mein Name quasi über die gesamte Fläche verteilt. Es handelt sich also vermutlich um einen der größten asiatischen Filmmomente in der Geschichte des Kinos überhaupt. Das ist die Ironie an der ganzen Geschichte: es gab in Hollywood bis dato vermutlich keinen kulturell vielseitigeren Film als diesen.

Warum haben Sie nicht auf bekannte Gesichter gesetzt, sondern lauter Newcomer angeheuert?

Ich habe dabei an meine Erfahrung mit „Star Wars“ gedacht: ich hatte weder Mark Hamill noch Carrie Fisher je zuvor in einem anderen Film gesehen und daher wirklich geglaubt, dass er Luke Skywalker war und sie Prinzessin Leia. Ich wäre sogar fast soweit gegangen, Noah bis zum Filmstart gänzlich vor der Außenwelt zu verstecken, aber Paramount war von dieser Idee nicht wirklich überzeugt. Dennoch würde es mich freuen, wenn die Welt ihn als Aang annimmt und die Kinder wahrhaftig glauben, dass der kleine, mutige Avatar vor ihnen steht.

Ihr Film strotzt vor Spezialeffekten. Finden Sie mehr und mehr Gefallen an modernen Hilfsmitteln?

Je weniger CGI ich in einem Film verwenden muss, desto besser. Wenn Sie mich nun also fragen, ob ich mich in Zukunft hauptberuflich auf Filmspektakel wie dieses konzentrieren werde, dann lautet meine Antwort: eher nicht. Schon alleine weil CGI auf diesem hohen Niveau einen Riesenaufwand an Zeit und Geld darstellt.



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Die Legende von Aang

 
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