Woher stammt Ihr unverkrampfter Umgang mit Behinderten? Zum einen war ich selber Zivi in der individuellen Schwerstbehindertenbetreuung, zum anderen sitzt meine jüngste Schwester im Rollstuhl. Von daher gibt es bei mir und meiner anderen Schwester Anna, mit der ich zusammen das Drehbuch geschrieben habe, schon eine besondere Vertrautheit mit der Thematik. Hätte die Hauptrolle nicht gleich ein echter Rollstuhlfahrer spielen können? Das haben wir überlegt, aber wir haben einfach keinen gefunden. Es gibt kaum professionelle Schauspieler, die im Rollstuhl sitzen, und unter den Rollstuhlfahrern, die wir getroffen haben, war auch kein schauspielerisches Naturtalent. Aber immerhin haben wir dadurch einen unserer beiden Rollstuhl-Trainer gefunden. Wie unsympathisch darf ein Rollstuhlfahrer sein? Ben ist ein Entertainer, und dazu gehört immer ein gewisser Anteil an Publikumsbeschimpfung, denn die Zuschauer lachen gerne über sich. Ben lebt diesen Anteil ins Extreme. Wir wollten gar keine allgemeinen Aussagen über Behinderte machen, sondern uns hat dieses eine Individuum interessiert – der Gegensatz aus einem sehr wachen, schnellen, lustigen Geist, der sich aber körperlich nicht bewegen kann. Wie groß ist die Angst vor Klischees? Klischees sind eine zweischneidige Sache. Stereotype sind nicht alle falsch, irgendwoher müssen sie ja kommen. Mir gefällt es sehr, mit Klischees zu spielen und sie eine Ecke weiter zu drehen, bis sie auf einmal ganz anders aussehen. Ein klassisches Klischee ist zum Beispiel jene Traumsequenz, in der ein Behinderter wieder laufen kann – das gibt es so gut wie in jedem Rollstuhlfahrer-Film im Fernsehen. Es gibt reichlich Brüder, die gemeinsam Filme machen, aber kaum Geschwister – wie kommt das? Das wundert mich auch, ich kenne tatsächlich keine anderen Geschwister, die gemeinsam Filme machen. Für mich selbst ist das überhaupt nicht ungewöhnlich – zur Not sagen wir einfach, wie wären ein Brüderpaar. Worum geht es in Ihrem nächsten Projekt „Drei-Zimmer-Küche-Bad“? Dabei geht es um Freunde, die sich gegenseitig beim Umzug helfen – ein Thema, das wohl jeder kennt. |












