Was schon James Bond recht war und dem „Tatort“ regelmäßig billig ist, hat nun auch der kanadische Kultregisseur David Cronenberg („Die Fliege“) für sich entdeckt: Den Bodensee als pittoreske Filmkulisse.

Derzeit dreht er in und um Konstanz mit den Hollywood-Stars Keira Knightley und Viggo Mortensen („Herr der Ringe“) sein Liebesdrama „A Dangerous Method“, bei der sich der Psychiater C.G. Jung hoffnungslos in eine junge russische Patientin verliebt, deren Charme später auch Kollege Sigmund Freud erliegt – was nebenbei zur Geburtsstunde der Psychoanalyse führt. Dass die internationale Produktion am schwäbischen Meer ihre Zelte aufgeschlagen hat, hängt zum einen damit zusammen, dass der Bodensee als Double für den zu sehr verbauten Zürichsee dienen soll. Zum anderen lockten reichlich schwäbische Subventionen: Mit 500.000 Euro fördert die baden-württembergische Medien- und Filmgesellschaft MFG das 15 Millionen Euro-Projekt, das gute Chancen auf eine Cannes-Premiere im kommenden Mai hat.

Auf Berlinale-Ehren hofft der renommierte Dokumentarfilmer Andres Veiel („Black Box BRD“) mit seinem Spielfilmdebüt „Wer wenn nicht wir“. Basierend auf dem Sachbuch „Vesper, Ensslin, Baader – Urszenen des deutschen Terrorismus“ wird die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Bernward Vesper (August Diehl) und Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis) erzählt, die sich Anfang der 60er Jahre beim Studium in Tübingen kennenlernen. Der Sohn eines NS-Schriftstellers und die Pfarrerstochter schwören sich bedingungslose Liebe. Zugleich rebellieren beide gegen die verkrusteten Verhältnisse im Elternhaus und in der Gesellschaft.

Während Roland Emmerich mit „Anonymus“ seinem Image als notorischer Katastrophen-Filmer entkommen will und ein überraschend spezialeffektfreies, intimes Drama um das Schaffen von William Shakespeare schildert, bleibt Blödelbarde Otto Waalkes seiner bewährten Pointen-Masche treu und parodiert mit „Otto’s Eleven“ den Casino-Krimi „Ocean’s Eleven“. Statt George Clooney und Brad Pitt legen hier Rick Kavanian, Olli Dittrich sowie „Germany’s Next Topmodel“ Sara Nuru auf einer winzigen Insel namens Spiegeleiland einen bösen Buben aufs Kreuz.

Auf die Krimi und Komödie-Mischung setzt auch Österreich, wo knapp 30 Jahre nach dem legendären TV-Erfolg, der schrullige Kommissar Kottan (Lukas Resetarits) nun auf der Leinwand ermittelt. Udo Samel gibt dabei den sonderlichen Polizeipräsidenten Pilch, der nach einer Mordserie an Lebensmüden seinen auf unbestimmte Zeit suspendierten Star-Ermittler reaktiviert. Ebenfalls dem Charme der 80er Jahre erliegt Markus Rosenmüller, der nach seinem „Wer früher stirbt ist länger tot“-Erfolg in „Orange“ eine Gruppe Sannyasins aus Berlin in die bayrische Provinz schickt: Urschreitherapie und Selbsterfahrung treffen auf Schützenverein und Sturheit.

Damit längst nicht genug des kommenden Comedy-Booms: Zwei Millionen Besucher von „Männerherzen“ haben Simon Verhoeven zur Fortsetzung seiner Macho-Komödie überredet, derweil „Zweiohrküken“-König Til Schweiger sich für seinen nächsten Streich abermals einen auffallenden Titel ausgedacht hat: „kokowää“ nennt der Autor, Regisseur und Hauptdarsteller seine nächste Kreation, angelehnt an die Lautschrift von „Coq au vin“. Erzählt wird vom erfolglosen Drehbuchautor, der sich plötzlich als Vater einer achtjährigen Tochter (Emma Schweiger) behaupten muss.

Neben den vielen Lachgeschichten stehen etliche zeitgeschichtliche Sachgeschichten auf dem kommenden Programm: Während de Studenten-Oscar-Preisträger Toke Constantin Hebbeln in seinem Kinodebüt „Niemandsland“ von der Wandlung eines Stasi-Saulus zum Systemgegner-Paulus schildert, beleuchtet Dokumentarfilmer Dirk Laabs in „Goldrausch“ die Geschichte der Treuhandanstalt und die Abwicklung der DDR-Wirtschaft.

Davon, wie einst der Fußball nach Deutschland kam, erzählt nach wahren Begebenheiten „Der ganz große Traum des Konrad Koch“. Daniel Brühl gibt den engagierten Lehrer Koch, der anno 1874 seine Schüler für den Sprachunterreicht motivieren möchte und sie dazu mit einem seltsamen englischen Sport bekannt macht: mit Fußball. Anstoß der Dreharbeiten an den Originalschauplätzen in Braunschweig war gleich nach Schlusspfiff des WM-Finales. Last not least wird auch Wim Wenders wieder aktiv. Er inszenierte seine cineastische Verneigung vor Tanz-Ikone Pina Bausch im räumlichen 3-D Format – was „Avatar“ recht, ist längst auch deutschen Regie-Legenden billig.


 
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