Er war der Bond-Schurke in „Casino Royale“ und steht derzeit für das französische Action-Spektakel „Largo Winch“ mit Sharon Stone vor der Kamera. Zwischen solchen Popcorn-Auftritten spielt Clemens Schick auf renommierten Theaterbühnen und tritt in Independent-Filmen auf. Dabei verlief die Karriere des 38jährigen keineswegs klassisch: Die Schauspielschule brach er nach einem Jahr ab und ging lieber ins Schweigekloster. Nun kommt der in Stuttgart aufgewachsene Schauspieler als cooler Barkeeper im Beziehungsdrama „Cindy liebt mich nicht“ ins Kino. Mit Clemens Schick unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald. 

CineZone: Nach dem Bond ist vor dem Bond: Nach „Casino Royal“ geben Sie in „Largo Winch“ schon wieder den bösen Buben im Actionspektakel – Sie sind jung, aber brauchen Sie noch das Geld?

Clemens Schick: Im letzten Jahr habe ich drei Kinofilme gedreht. Neben „Cindy liebt mich nicht“ lief auf der Berlinale „Hollywood Drama“ und auf dem Filmfest München wird „Transit“ Premiere haben. Alle drei Filme mit kleinem Budget ohne große Action. Mir macht genau diese Mischung großen Spaß: Auf der einen Seite Action und auf der anderen Arthouse-Filme.

Wie weit war der 007 Auftritt Ihrer Karriere nützlich? Kamen Anrufe aus Hollywood?

James Bond war mein Durchbruch in den Medien. Für mich war die Herausforderung bei Bond nicht unbedingt die Schauspielerische, dafür war mein Rolle zu klein. Am Theater hatte ich damals in dem Jahr schon Richard III. und Don Carlos gespielt. Im Film warte ich noch auf die eine Rolle, wo ich um mein Leben spielen kann.

Wie groß ist der Adrenalin-Kick bei solchen Action-Projekten?

Ich trainiere gerade für „Largo Winch“ Sky Diving. Das ist unglaublich sich in 4000 Meter aus dem Flugzeug zu stürzen und erst bei 1000 Meter den Fallschirm zu öffnen. Aber da ich die besten internationalen Lehrer habe mache ich mir dabei keine Sorgen. Das ganze ist eine gute Mischung aus Lust und Panik - bis jetzt auf jeden Fall.

Wie groß ist der Adrenalin-Kick bei Nacktauftritten wie in „Cindy“?

Bei Nacktszenen am Theater oder im Film empfinde ich eher Scham. Aber auch nicht übertrieben. Das ist ein meist sehr technischer Vorgang, eine Nacktszene zu drehen.

Wie gerne sehen Sie sich selbst auf der Leinwand?

Das hängt davon ab, wie gut der Film ist und wie zufrieden ich mit meiner Arbeit bin. Ich bin immer froh, wenn mein Zwillingsbruder bei meinen Premieren dabei ist, weil er mich und meine Arbeit schon lange kennt und immer ehrlich ist.

Was spielt sich schwieriger: cooler Auftragskiller in „Largo“ oder uncooler Barkeeper in „Cindy“? Worin liegt der Kick dieser Figuren für Sie?

Franz in „Cindy liebt mich nicht“ ist ein Lonely Cowboy, der niemanden an sich heran lässt. Er hat sich hinter seiner Coolness versteckt und fühlt sich dort wunderbar. Deshalb ist eine Frau wie Maria perfekt für ihn. Er kann sich vorspielen, er sei mit ihr genauso frei wie ohne sie. Bis er merkt, dass mit ihr etwas anders ist. Deshalb macht er sich auf die Suche nach ihr.

Wie groß ist die Schnittmenge mit dem Franz in „Cindy“?

Ich bin auch sehr gerne unabhängig und frei. Deshalb ist mein Beruf, wie ich ihn gerade lebe genau richtig für mich. Ich weiß nie, wo es mich in den nächsten Monaten hin verschlägt, arbeite in verschiedenen Ländern, mal mehr, mal weniger. Meine Leben ist sehr unregelmäßig - was zu mir passt.

Ist Ihre Aufregung vor dem Dreh bei einer 30 Millionen Dollar Produktion größer als bei einem deutschen Low-Budget?

Ob ich in einer 120 Millionen, einer 30 Millionen oder einem No Budget Film spiele, ändert für mich nichts an meiner Haltung zu meinem Beruf und deshalb auch nichts an der Aufregung.

Warum haben Sie das Klosterleben aufgegeben?

Für mich war meine Klostererfahrung zu der Zeit damals das Beste was mir  passieren konnte. Ich habe in einer sehr unruhigen Zeit meines Lebens plötzlich Zeit gehabt, mir genau zu überlegen was ich in meinem Leben will. Das ich heute Schauspieler bin ist genauso schön wie wenn ich Mönch geworden wäre.

Müssen wir uns Clemens Schick als einen glücklichen Schauspieler vorstellen?

Ja. Die meiste Zeit. Ich habe am Theater die schönsten Rollen spielen können und komme dem beim Film immer näher. Das macht mich glücklich.

Welche Rolle spielt der Erfolg für Ihre Karriere?

Erfolg bedeutet für mich gute Rollen mit guten Regisseuren und guten Kollegen zu erarbeiten. Ob beim Film oder beim Theater. Und herumzukommen in der Welt mit meiner Arbeit. Ich war dieses Jahr mit meinem Soloabend schon in Los Angeles und plane für nächstes Jahr wieder eine Tour dort. Diese Herausforderung, auf Englisch einen Soloabend zu spielen ist für mich Erfolg. Wenn ich so etwas schaffe und mit mir zufrieden bin, bin ich über meinen Erfolg glücklich.

Wie sehr stört es Sie, dass man Sie immer nur auf Bond und nur selten von Richard 3 anspricht?

Das ist natürlich und stört mich deshalb gar nicht.

Wie war es mit Sharon Stone?

Sharon Stone ist eine sehr angenehme Person und wunderbare Schauspielerin. Ich freue mich mit ihr in einem Film zu sein. Mir ist es am Ende aber egal ob jemand „berühmt“ ist. Was zählt ist, ob man miteinander spielt wenn die Kamera läuft.


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