Am 08. Juni 2010 fiel auf Aruba der Startschuss für das erste internationale Filmfestival der Karibikinsel. Gelegen in den Kleinen Antillen und nur 25 Kilometer von Venezuela entfernt, überraschte das dortige Festival-Line-Up vor dem Hintergrund des intimen Grundcharakters recht beachtlich: Richard Gere, Patricia Clarkson, Guillermo Arriaga und Thelma Shoonmaker sind der Einladung gefolgt und unterstützten die Ziele des italienischen Produzenten Guiseppe Cioccarelli, der hier in einer Hals über Kopf-Aktion in nur einem Jahr ein Symposion für Stars, Journalisten und Einheimische aus dem Boden stampfte. Ein Gespräch über das Bauprinzip eines solchen Events, eine menschliche Geheimwaffe als Motor und die Langzeitziele seiner Kulturinitiative.
CineZone: Mr. Cioccarelli, wie bitte kommt man als Italiener darauf, auf der Karibikinsel Aruba ein internationales Filmfestival zu veranstalten?
Guiseppe Cioccarelli: Ich bin als Filmproduzent vor drei Jahren hierher zogen, weil meine Familie hier wenigstens eine schönere Zeit als im hektischen Rom hat, wenn sie zwischen zwei Filmprojekten auf mich warten muss. Mit meinem besten Freund auf der Insel, Jonathan Vieira, habe ich dann irgendwann angefangen, mit den hiesigen Behörden darüber zu sprechen, ein bisschen mehr Acht auf internationale Filmproduktionen zu legen, die hier auf der Insel drehen könnten. Von dem Zeitpunkt an war das Festival als Idee nicht mehr allzu weit entfernt.
Wie genau haben Sie seitdem das Festival aus dem Nichts gestampft?
Vor genau einem Jahr begannen wir mit den Planungen und sicherten uns zuerst die Unterstützung von Tourismusverband und Behörden. Dann ernannten wir die Filmfestival-Ikone Claudio Massenza zum künstlerischen Leiter. Er war ja lange Jahre für das Programm der Venedig-Filmfestspiele zuständig und kümmert sich heute auch noch in einigen Aspekten um die Selektion in Rom. Wir köderten ihn damit, dass wir ihm anboten, ihn gleichzeitig zum Präsident, Direktor und Deus ex Machina unseres Festival zu machen (lacht). Er lachte und musste quasi zusagen.
Er war dann wohl auch sicherlich dafür verantwortlich, dass ein A-List Star wie Richard Gere Ihre Einladung zum Festival akzeptierte.
Klar, Claudio ist unser Motor. Er ist nicht nur Vollprofi und Gentleman, sondern eben auch mit vielen Stars eng befreundet, weil sie wissen, was sie an ihm haben. Es wäre uns alleine wohl sehr schwer gefallen, jemanden wie Gere im ersten Jahr hierher zu locken. Aber Claudios Einladung ist er gerne gefolgt – eben weil sie seit Jahrzehnten befreundet sind.
Was sind Ihre Langzeitziele, die all diesen Aufwand einmal rechtfertigen sollen?
Wir wollen eine intime Atmosphäre versprühen und genau mit diesem Charme die unterschiedlichsten Bereiche fördern. Mit der Regierung arbeiten wir an vielen Zielen: wir wollen den Tourismus ankurbeln, das Kulturprogramm fördern, Filmproduktionen anziehen und die hiesige Jugend für das Medium begeistern. Sie sollen das Filmgeschäft lieben lernen, um selbst etwas auf die Beine zu stellen.
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