Unglücklich sind einige der traurigen Figuren in seinem Werk - und dennoch gerät der Film nie zum deprimierenden Jammertal. Mit unglaublicher Leichtigkeit gelingt es Leigh, seine schweren Themen zu servieren: Vermasseltes Leben, Verlust, Einsamkeit, enttäuschte Hoffnungen. Aufgeteilt in vier Segmente der Jahreszeiten wird vom Ehepaar Tom und Gerry erzählt – deren Name nicht zufällig wie das Cartoon-Duo klingt. Die beiden führen eine zuckersüße Ehe: Sie hilft als Psychologin den Armen, er arbeitet als Geologe. Der Alltag ist von zärtlichem Miteinander bestimmt. Bei ihren Bekannten sieht die Sache weniger rosig aus: Kollegin Mary hadert mit ihrer Einsamkeit und ertränkt die Sorgen gern im Wein. Jugendfreund Ken geht es kaum besser, „Better drinking than thinking“ trägt er auf seinem T-Shirt. Schließlich ist da noch Bruder Ronnie, der den Tod seiner Frau nicht verwindet. Tragische Schicksale, zerborstene Lebensentwürfe – Leigh zeigt dieses Kaleidoskop des (Un-)Glücks mit großer Wärme und Wahrhaftigkeit und entwickelt, palmenverdächtiger Schauspieler sei Dank ein bewegendes Drama, das zum unbestrittenen Höhepunkt der ersten Festival-Halbzeit avancierte. Verblüffend ähnlich geht es bei Woody Allen zu. Auch sein „You will meet a tall dark stranger“ präsentiert ein Beziehungskaleidoskop um die verunglückten Lieben und Leidenschaften einer Familie. Eine frische geschiedene Seniorin sucht ihr Glück bei einer Wahrsagerin, während ihr Gatte (Anthony Hopkins) mit Viagra und einer alsbald geehelichten Prostituierten seine Männlichkeit demonstriert. Die Ehe der Tochter ist gleichfalls gefährdet: Sie verliebt sich in ihren hübschen Arbeitgeber, derweil der Gatte, ein frustrierter Autor, bei der netten Nachbarin Trost findet.
Während Japans Takeshi Kitano mit einer dünnen bis dümmlichen, abstoßend gewaltverliebten Mafia-Geschichte die verdienten Buh-Quittung bekam, wurde der Mexikaner Alejandro Gonzàlez Inàrritu seinem Ruf als Regiewunderkind immerhin visuell gerecht. In „Biutiful“erzählt er die Geschichte eines Kleinkriminellen (Javier Bardem), der in Barcelona illegale Einwanderer vermittelt. Die Probleme mit seiner getrennt lebenden Frau kann der Vater zweier Kinder noch lösen. Schwieriger gestaltet sich eine andere Herausforderung: Er hat Krebs und nur noch wenige Monate zu leben. Als zwei Dutzend seiner Arbeiter ersticken, weil er billige Heizlüfter gekauft hat, ist die Verzweiflung perfekt. Der tragische Held meint es eigentlich immer nur gut, doch das Schicksal spielt meist gegen ihn. Ein wenig ergeht es auch dem Regisseur selbst so: Er findet stets grandiosen Bildeinfälle, doch seine Story lässt einen weitgehend unbeteiligt – trotz des überragend verzweifelten Hauptdarstellers Bardem. Dass kreativ noch immer günstig geht, beweist der junge Kanadier Noah Punk mit „Zedcrew“, einem Film über drei Rapper, die nach USA einwandern wollen. Seine Akteure rekrutierte der findige Filmer über My Space, das Budget lag bei knapp 1.000 Euro. Auf dem parallel stattfindenden Filmmarkt herrscht derweil 3-D-Fieber: Ob „Nussknacker“ oder der Teenie-Tanzfilm „Step Up 3“: alle wollen in die dritte Dimension. Selbst Star-Pianist Lang Lang mischt mit und tritt in einer 3-D-Fassung von „Chopin“ auf. |












Das alles ist recht hübsch anzuschauen, substantiell freilich kaum mehr als eine TV-Seifenoper im Nachmittagsprogramm. Natürlich versteht ein Altmeister wie Allen sein Gericht routiniert anzurichten: gute Akteure, smarte Dialoge, flotte Dramaturgie. Langweilig ist das keineswegs, allein es fehlt ein bisschen an Biss und Originalität und bleibt cineastische Schonkost.