Mit der „Titanic“ wurde er zum Mega-Star, doch Frauenschwarm Leonardo DiCaprio kann nicht nur Popcorn-Kino. Steven Spielberg engagierte ihn als Hochstapler in „Catch me if you can“. Und für  Regie-Legende Martin Scorsese steht der Schauspieler deutscher Abstammung bereits zum vierten Mal vor der Kamera: Nach „Gangs of New York“, „Aviator“ und „Departed“ gibt DiCaprio im Psychothriller „Shutter Island“ einen wackeren US-Marshall, der auf einer Insel einen Mord aufklären soll – und dabei immer tiefer in den Wahnsinn rutscht. Mit dem Schauspieler, der den Film als Weltpremiere auf der Berlinale präsentierte, unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

CineZone: Können wir das Interview auf Deutsch führen? Immerhin sprechen Sie ja sogar im Film einige Sätze in der Sprache Ihrer Mutter?

Leonardo DiCaprio: (lacht) So gut ist mein Deutsch dann leider doch nicht. Ich kann mich auf Deutsch zwar einigermaßen verständigen, das sind aber nur Grundkenntnisse, die für ein anspruchsvolles Gespräch nicht ganz ausreichen würden. Ich könnte mir zum Beispiel mein Lieblingsgericht bestellen: „Kartoffelpfannekuchen“.   

Scorsese ist Perfektionist, hat er Ihnen einen Sprachtrainer für Ihre deutschen Dialoge besorgt?

Ich verlasse mich immer auf Experten, um mich gut vorzubereiten. Das betraf diesmal nicht nur die Sprache, sondern auch das Thema Psychiatrie. Wir hatten eigens einen Spezialisten am Drehort, der für die medizinische Echtheit der Darstellung zuständig war und uns die Psychosen der Figuren und ihr Verhalten erklärte.

Dies ist Ihr vierter Film mit Martin Scorsese gedreht – sind Sie inzwischen die neue Muse der Regie-Legende, werden Sie der nächste Robert DeNiro?

Wir arbeiten einfach gerne miteinander und wir vertrauen uns. Die Beziehung Scorsese-DeNiro ist für mich das eindrucksvollste Verhältnis in der Filmgeschichte, damit kann ich mich überhaupt nicht vergleichen. Ich bin sehr glücklich, dass ich diese einzigartige Chance bekam, mit einem der besten Regisseure der Welt zu arbeiten.

Würden Sie für einen anderen Regisseur ähnlich weit gehen wie hier?

Schwer zu sagen. Ganz entscheidend für die Arbeit ist das Vertrauen zu einem Regisseur. Denn er sitzt später im Schneiderraum und kann Dinge verstärken oder weglassen. Als Schauspieler gibst du deinem Regisseur alles, und er entscheidet anschließend, was daraus entsteht. Er muss dafür sorgen, dass das Publikum mitgerissen wird und dass eine Darstellung nicht zu sentimental wirkt.

Was ist das besondere an Scorsese?

Marty ist ein Meister, eine emotionale Geschichte zu erzählen und dabei dennoch ambivalent zu bleiben. Bei Scorsese gibt es kein schwarz-weiß, er bewegt sich immer in Grautönen. Für mich erinnert dieser Film sehr an seine frühen Werke wie „King of Comedy“ oder „Taxi Driver“ – man weiß am Ende nicht genau, wie man sich fühlen soll. Wenn man den Film ein zweites Mal anschaut, hat man vielleicht eine völlig andere Haltung. Diese Art von Kino liebe ich. 

Fühlen Sie sich wohl bei solchen Ausflügen in die Abgründe der menschlichen der Seele?

Mein Job ist es, die Figur zu verkörpern. Ich habe nicht annähernd solche traumatischen Erfahrungen gemacht wie der Teddy im Film. Der Trick ist immer der, dass man einfach Berührungspunkte mit einer Rolle finden muss, was in diesem Fall alles andere als einfach war. Das ist die emotionalste und extremste Rolle, die ich je gespielt habe.



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Shutter Island

 
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