Worin sehen Sie die Unterschiede zwischen Osten und Westen? So groß die Unterschiede sind, kann man sie nur schwer benennen. Die Generation zwischen 40 und 60 Jahren ist vergleichbar mit einer dysfunktionalen Familie, wo über vieles nicht geredet werden kann, wo es Tabus gibt und Dinge gar nicht benannt werden können, weil sie so unbewusst sind. Man begegnet sich mit Vorurteilen und Unterstellungen, die schwer zu entkräften sind. Das ist also schon eine schwierige Kommunikation. Sie haben Elmar Wepper für das Kino entdeckt. Davor schon Uwe Ochsenknecht, Heiner Lauterbach, Alexandra Maria Lara, Heike Makatsch und nun Gabriela Maria Schmeide – ein bisschen wie ein Trüffelschwein für deutsche Talente... Ach, das arme Trüffelschwein, dem geht es ja gar nicht um das Fressen, es sucht nur nach einem Mann. Seine einzige Motivation ist die, dass der Pilz so riecht wie ein Eber – darüber habe ich einmal eine Kurzgeschichte geschrieben. Was Gabriela betrifft, habe ich sie vor über zehn Jahren in die „Polizistin“ gesehen und fand sie großartig - das habe ich mir gemerkt. Ich habe ein gutes Gedächtnis für Schauspieler. Was macht einen Schauspieler großartig? Zur Großartigkeit gehört der Wille zur Wahrheit und der Mut, sich einer Rolle auszusetzen. Man ist dazu bereit, sich so weit herzuzeigen, dass Dinge zum Vorschein kommen, die man vielleicht lieber verhüllen würde. Zum ersten Mal haben Sie ein fremdes Drehbuch verfilmt – macht es diese Distanz leichter als einen eigenen Stoff umzusetzen? Ganz im Gegenteil. Ich habe mich nicht so sicher gefühlt, ich bin vorsichtiger, sehr viel rücksichtsvoller und netter einem fremden Stoff gegenüber. Die eigenen Drehbücher behandele ich weitaus ruppiger. Es ist allerdings interessant, eine Geschichte einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Das war umso spannender, als die Autorin Laila Stieler ja aus dem Osten stammt. Fatih Akin hat geklagt, dass der Schnitt bei einer Komödie sehr schwierig sei, weil es auf das richtige Tempo ankomme. Geht es Ihnen ähnlich? Ich glaube nicht, dass man bei Schnitt noch großartig das Tempo ändern kann, dass muss bereits beim Drehen stimmen. Wobei ich mich seit vielen Jahren mit Inez Regnier auf eine Königin des Schnitts verlassen kann. Sie versteht von der ersten Einstellung, wohin ich kommen möchte. Und ihr Gefühl für timing und Komik ist einfach unschlagbar. Wie weit verlassen Sie sich auf König Kunde, auf die Reaktionen bei Testvorführungen? Ich gehöre wohl zu den ganz wenigen Filmemachern, denen es erlaubt wird, auf Testvorführungen zu verzichten. So etwas würde ich psychisch vermutlich auch gar nicht durchhalten. Als erfolgreiche Regisseurin stehen Sie hierzulande relativ einsam da. Auch international ist der Frauenanteil auf dem Regiestuhl auffallend gering – woran liegt das? In der Oper ist es noch viel schlimmer. Nach Lina Wertmüller war ich die zweite Frau, die je am Münchner Nationaltheater inszenierte. Immerhin ist das Fernsehen inzwischen immer mehr in Frauenhand. Und Sherry Hormann hatte mit der „Wüstenblume“ im Kino gerade einen großen Erfolg. Warum das nicht viel öfter passiert, kann ich auch nicht erklären. Es ist natürlich schon sehr schwierig, Regie und Kinder zu verbinden. Da ist Schreiben viel einfacher. Beim Film muss man schon sehr, sehr stur sein. Wie stur muss man beim Fernsehen sein? Ihr TV-Sechsteiler „Klimawechsel“ liegt bei ZDF offensichtlich auf Eis, weil er den Mainzelmännchen zu frivol sein soll – was ist der Stand der Dinge? Ich weiß gar nicht, ob es da Streit gab. Allerdings ist seltsam, dass man so gar nichts mehr von der Sache gehört hat. Vermutlich haben einige doch Bedenken bekommen, weil das schon sehr frech und ungehörig ist. Wobei ich damals immer gefragt hatte: „Traut ihr euch das wirklich?“ Und alle sagten „Ja!“. Soweit ich weiß, soll „Klimawechsel“ nun Ende März gesendet werden. Wie kam es zu Ihrem Ausflug ins Fernsehen mit dem „Klimawechsel“? Das habe ich nur deshalb gemacht, weil ich mich so wahnsinnig über das TV-Programm geärgert hatte. Um Schauspieler zu entdecken, schaue ich häufig Fernsehen, aber irgendwann war für mich die Schmerzgrenze erreicht. Aus purem Trotz habe ich mit meiner Freundin Ruth Stadler eine Serie geschrieben, die alles auf den Kopf stellt. |











