Mit „Männer” gelang ihr vor über 20 Jahren der Durchbruch. Danach drehte Doris Dörrie clevere Komödien wie „Ich und er“, „Keiner liebt mich“, „Nackt“ oder „Bin ich schön?“ und wurde zur erfolgreichsten Regisseurin der Republik. Nach dem bewegenden Drama „Kirschblüten - Hanami“ kommt die Dörrie nun wieder komisch daher, „Die Friseuse“ erzählt von einer korpulenten Heldin aus Berlin Marzahn, die sich gegen alle Widerstände ihren Lebenstraum erfüllt. Mit der Regisseurin unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

CineZone: Frau Dörrie, für Ihre „Kirschblüten“ wurden Sie auf der Berlinale mit stehenden Ovationen gefeiert. Sind Sie enttäuscht, dass Ihre „Friseuse“ nicht im offiziellen Bären-Rennen, sondern als „Special“ startet?

Doris Dörrie: Es ist sehr schön, wieder auf dem Festival dabei zu sein. Aber mit diesem Film wollte ich bewusst nicht in den Wettbewerb. Dort wäre für die „Friseuse“ der falsche Platz, dafür war der Film auch nicht gedacht.

Ihre Heldin Kathi König berlinert sich mit flotten Sprüchen durch das Leben – ist Ihre Friseurin die weibliche Antwort auf Mario Barth?

Nein, ich glaube auch nicht, dass man überhaupt auf Mario Barth antworten muss (lacht). Die Figur basiert auf einer realen Friseurin, die sich selber auch so nennt, weil sie in der DDR ausgebildet wurde, wo der Beruf so bezeichnet wurde. Das ist eine sehr lustige Frau, die mir imponiert, weil sie eine große Fähigkeit besitzt, auch in miesen Situationen etwas Positives zu sehen.

Wie weit ist die Friseuse aus Marzahn mit Comedian Cindy von Marzahn verwandt?

Beiden gemeinsam ist dieser sehr schnelle Dialekt, der oft als grob und rotzig empfunden wird. Aber Cindy von Marzahn ist eine ganz andere Ecke, das ist viel vulgärer, während Kathi König eigentlich eine sehr feine Person ist. Ihr Umgang mit sich und der Welt ist ironisch. Dieser Humor verhilft ihr, dass ein Fenster wieder auf geht, frische Luft herein kommt und sie wieder atmen kann. 

Friseurin Kathi kämpft mit ihrer Fülle – Sie haben im Fatsuit den Selbstversuch als dicke Frau gewagt, wie waren die Erfahrungen? 

Ich war nach wenigen Stunden den Tränen nahe. Die Leute haben mich angestarrt und dann weg gesehen. Ich bin mit Absicht in Läden gegangen, wo es keine Größe 58 gibt. Die Verkäufer haben sich versteckt, um dann hinter mir her zu lachen. In der Straßenbahn habe ich wütende Blicke kassiert, weil ich nicht auf einen Sitz gepasst habe, in Supermärkten kam ich nicht durch das Drehkreuz am Eingang, wenn ich etwas gegessen habe, haben mich die Leute angestarrt, als wäre das nun wirklich das Letzte, dass ich überhaupt esse. Es war hoch interessant und wichtig, das zu erleben.

Arbeitslosigkeit und Frauenbilder – solche Themen erwartet man eher in britischen Sozialkomödien als hierzulande im Reich der harmlosen Comedy…

Komödie ohne Leiden kann nicht funktionieren. Deshalb will ich schon immer das Tragische mit dem Komischen verbinden. Auch bei den traurigen „Kirschblüten“ gab es komische Momente, diesmal ist das Verhältnis umgekehrt: Bei allem Ernst und aller Tiefe überwiegt die Komik. Das ändert nichts an der Grundsituation des Menschen: Wir alle leiden. Und wir versuchen, damit irgendwie zurecht zu kommen.

Sie haben mehrfach im fremden Japan gedreht, wie fremd war Ihnen Marzahn?

Ich bin neugierig auf alles, warum also nach dem fernen Osten nun nicht einmal den ganz nahen Osten erkunden? Das war für mich zum Teil schon auch sehr fremd. Oberflächlich betrachtet ist Marzahn nicht anders als Neuperlach oder Köln Nippes – solche Stadtteile findet man überall. Interessanter fand ich, dass es gerade in meiner Generation doch sehr verschiedene Arten gibt, mit den Dingen umzugehen.


Die Friseuse

 
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