Sie haben mit vielen Stars gearbeitet, die für Ihre Vorgaben am Set berüchtigt sind. Sind Allüren bei Ihren Dreharbeiten verboten oder vielleicht sogar erwünscht?

Nein, ich versuche Allüren zu vermeiden, weil sie kontraproduktiv sind. Ich erzähle Ihnen eine kleine Episode über Eva Mendes: Ich traf sie in der Lobby eines Hotels in New York und fragte sie nach ihren Bedürfnissen am Filmset. Sie sagte mir, dass sie eine Entourage von zwölf Personen benötige. Ich frage: „Wie kommt das, brauchen Sie das wirklich?“ Sie antwortete: „Ja, das ist so das Ritual. Mein Agent, mein Businessmanager und meine Anwälte verlangen so etwas automatisch.“ Ich sagte dann zum Spaß, dass ich aber nicht den Psychiater ihres Hundes am Drehort antreffen möchte. Da lachte sie fürchterlich. Um ein Beispiel zu setzen habe ich dann bei Vertragsunterzeichnung nicht nur auf meinen Wohnwagen verzichtet, sondern auch auf einen persönlichen Assistenten, einen Chauffeur und eine Sicherheitsperson. Zu guter Letzt habe ich sogar den Regiestuhl abbestellt, den ich sowieso hasse. Ich habe den Produzenten dann lachend gesagt: Das spart euch noch einmal 65 Dollar.

Und wie haben Eva Mendes und Nicolas Cage darauf reagiert?

Eva Mendes brachte dann auch nur zwei Personen mit: ihre Make-Up-Frau, die sie wegen Hautbesonderheiten brauchte, und einen Chauffeur, der gleichzeitig ihr Bodyguard war – weil ihr nämlich seit geraumer Zeit Irrwütige nachstellen. Völlig klar, dass ich das akzeptierte. Nicolas Cages Team war ähnlich reduziert. Da ich die Budgets von Anfang an kontrollierte, war jedem klar, dass wir das Geld nicht in dem luxuriösesten Campingtrailer am Set stecken werden, sondern dass es auf der Leinwand erscheinen soll. Den Film habe ich dann zwei Tage früher abgedreht, 2,6 Millionen Dollar unter Budget. Das hat es in Hollywood noch nie gegeben, es war völlig unerhört. Jetzt will mich der Produzent heiraten.

Wenn Filmtheoretiker sagen, der Begriff „Herzog-Film“ sei schon eine Genrebeschreibung für sich ist: Finden Sie das eine schöne Aussage oder können Sie das nicht unterschreiben?

Ehrlich gesagt ist mir das ziemlich gleichgültig. Die ganzen Filmstudien und das ganze akademische Getue um Filme herum staubt mir bei den Ohren heraus und ist nicht meine Sache. Auf lange Sicht beschädigt es auch die Kultur von Filmen, ähnlich wie die zu intensive akademische Beschäftigung mit Literatur und Lyrik den beiden Kunstformen keinen großen Gefallen getan hat. Für mich heißt das: Zitieren Sie aus dem akademischen Bereich, was immer Sie wollen, es hat meine Freundschaft nicht. Oder besser gesagt: ich senke meinen Schädel und gehe eher in Angriffsstellung über.

Interessiert Sie vor allem das Scheitern überlebensgroßer Titanen?

(überlegt) Das Scheitern am Leben? Der Wahnsinn, den die menschliche Psyche manchmal dadurch erleidet?

In „Bad Lieutenant“ erzählen Sie ja auch – wie in vielen anderen Ihrer Filme – von einem Typen, der an seinem Alltag und seinen Aufgaben zerbricht.

Sie spielen auf etwas an, das Sie sicherlich richtig beobachten: es gibt durchaus ein paar Filme, die das behandeln, etwa „Lebenszeichen“, mein erster Spielfilm, oder „Fitzcarraldo“. Aber vor allem bei Letzterem ist es wie so oft kein vollkommenes Scheitern, sondern dem Scheitern wird etwas Grandioses abgerungen, etwas, was unsere Existenz auf einmal mit Sinn erfüllt. Ob wir an einem großen Traum Scheitern oder nicht, ist in meinen Filmen weitgehend nebensächlich. Es nicht probiert zu haben, das wäre die Katastrophe.

Und deshalb drehen auch Sie einen Film nach dem anderen, um sich wieder immer wieder am Traum des ultimativen Werks zu versuchen?

Ach was, ich habe da kein Programm. Sehe Sie, ich werde immer wieder nach meiner Karriere gefragt. Ich hatte nie eine Karriere! Eine Karriere hat jemand, der methodisch an seiner Karriere arbeitet. Jemand, der in der Bestsellerliste nachsieht, aus welchem Erfolgsroman man am besten einen Film machen könnte. Das hat es bei mir nie gegeben.

Wenn schon keine Karriere: Was hatten Sie denn dann?

Die Filme, die ich bisher gemacht habe, waren immer wie ein Einbrecher in der Nacht, die nicht eingeladen waren. Sie waren unabweisbar da und ich musste mich zwangläufig fragen, wie ich das jeweilige Projekt am besten wieder aus meinen Räumen herausbekomme. Meistens war der einzige Ausweg, die Eindringlinge direkt auf die Leinwand zu befördern.



„Bad Lieutenant“:
„Ich verbringe die meiste Zeit meines Lebens vor einer Kamera“
Interview mit Nicolas Cage



Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen

 
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