Vierzehn Jahre sind vergangen, seit Nicolas Cage einen Oscar für seine Rolle als desillusionierter Alkoholiker in „Leaving Las Vegas“ erhielt Nun, nach einer Serie trivialer Blockbuster, die ihn zu einem der teuersten Schauspieler Hollywoods machten, beweist er sich endlich wieder in einer dramatischen Rolle: In Werner Herzog Remake des Abel Ferrara Films „Bad Lieutenant“ (1992), spielt Cage den drogenabhängigen Cop einer Mordkommission mit derartiger Wucht, dass der Regisseur zeitweilig davon überzeugt gewesen sein soll, Cage habe während der Dreharbeiten wirklich Kokain geschnupft. Ein Gespräch mit dem 46-jährigen Schauspieler über seine Nähe zu verstörten Persönlichkeiten, eigene Drogenerfahrungen und seine jüngste Familien-Entscheidung, endlich etwas ruhiger zu treten.

CineZone: Mr. Cage, in psychisch labilen Rollen scheinen Sie zur Höchstform aufzulaufen. Sehen Sie das ähnlich?

Nicolas Cage: Ich interessiere mich für gebrochene Charaktere. Bei ihnen dominieren Sorgen, Trauer und Tragödien, das verschafft Geschichten eine gewisse Tiefe. Denn irgendwann haben wir doch alle so einen Zustand schon einmal mitgemacht.

Andererseits kennt man Sie auch als Klischee-Helden amerikanischer Blockbuster. Wie passt das zusammen?

Weil ich auch ein großer Fan des Prinzips bin, dass Kinder gemeinsam mit ihren Eltern im Kino Spaß haben. Wenn Sie wollen, sehe ich es als schöne Aufgabe an, genau diejenigen Familienstrukturen ein Stück weit zu festigen, die in Amerika immer stärker auseinander brechen.

Ab und an sollen Ihre Kinder sich ja auch mal einen Film des Vaters ansehen dürfen.

Na, „Bad Lieutenant“ sollten sie nun wirklich nicht sehen. Eltern, die ihre Kinder da mitschleppen, würden äußerst unverantwortlich handeln.

Irgendwie ist alle paar Monate ein Film von Ihnen in den Kinos. Arbeiten Sie eigentlich permanent?

Filme sind für mich wie eine Art von Exorzismus. Ich bin ein emotionaler Mensch und nutze diese Gefühle lieber auf eine konstruktive anstatt auf eine destruktive Art und Weise. Ich interessiere mich auch mehr und mehr für Stoffe, die mit der Vorstellungskraft der menschlichen Psyche spielen, mit Sciene Fiction und Phantastereien.

In Ihrer aktuellen Rollen spielen Sie einen Typen, der sich physisch und psychisch verloren hat. Besteht diese Gefahr verstärkt auch in Hollywood?

Wer mehr hat, ist leichter dafür anfällig? Eine sehr spirituelle Sichtweise.

Und, stimmen Sie zu?

In gewisser Weise: ja. Aber man muss eben lernen, sich nicht zu sehr verlocken zu lassen. So trivial es klingt: man muss sich immer bewusst sein, dass all die Vorzüge nichts Wirkliches sind, nichts, was zwangsläufig bleibt und wichtig ist.



„Bad Lieutenant“:
„Wieso ich noch nicht gegen eine Betonwand gekracht bin, ist mir ein absolutes Rätsel“
Interview mit Kultregisseur Werner Herzog



Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen

 
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