|
Steckt in dem Illias aus „Soul Kitchen“ mehr Bleibtreu als in Andreas Baader? Das kann ich gar nicht sagen, es ist alles immer nur gespielt. In jeder Figur steckt natürlich ein Teilaspekt von einem selbst. Trotzdem macht es am meisten Spaß, wenn man sich in einer Figur verlieren kann und diese Figur möglichst wenig mit einem zu tun hat. Diesmal spielen Sie den Griechen, mehr Ausländer hat wohl noch kein Deutscher gegeben? Ich weiß bis heute nicht, warum ich immer Türken und Griechen spielen muss. Das hat sich irgendwie ergeben, aber darüber bin ich nicht unglücklich, ganz im Gegenteil: Es ist doch schön, dass man mir dieses Rollenfach des Migranten abnimmt. Es passt ja auch zu mir: Ich wuchs in einer Gegend auf, wo der Ausländer-Anteil bei 80 Prozent lag. Die meisten meiner Freunde waren Türken. Demnächst wird man Sie als Goebbels in „Jud Süß“ sehen, dann in „Jerry Cotton“ und in Filmen über Bushido und Goethe – wird das nicht ein bisschen viel, zumal als junger Vater? Als Schauspieler kann man seine Angebote leider nicht selbst bestimmen. Es gibt Phasen, in denen unheimlich viele attraktive Sachen kommen. Und andere Zeiten, die eher flau sind. Zudem bringen einen bisweilen private Lebensumstände dazu, sich in Arbeit zu stürzen. Das war alles ganz gut so – allerdings war es schon mehr als genug in diesem Jahr. Sie stehen regelmäßig für Fatih Akin vor der Kamera, worüber streiten Sie mit Ihrem Regisseur? Wir streiten nicht, wir diskutieren höchstens. Natürlich gibt es Momente, wo wir unterschiedlicher Meinung sind, aber das ist relativ selten. Mittlerweile verstehen wir uns ohne Worte, da genügen kleine Blicke und dann wissen wir beide, was Sache ist. Wobei Fatih als Regisseur natürlich schon immer so etwas wie mein Chef ist (lacht)! Wie schwierig fällt Ihnen eine Rolle wie der Goebbels im nächsten Film von Oskar Roehler? Geschichten erzählen funktioniert nur, wenn man sich Freiheit dabei nimmt. Wenn ich Angst vor einer Story habe, behalte ich sie für mich. Aber wenn ich sie erzähle, dann muss ich das Recht und die Freiheit haben, dass dies einfach nur eine Geschichte bleibt und keine Form der Vergangenheitsbewältigung oder kein Bildungsauftrag. An einer dokumentarischen Verpflichtung, die Figuren minutiös nachzeichnet, hätte ich kein Interesse. Eine Figur wird nur spannend, wenn ich mit ihr spielen darf. Ich finde es großartig, dass wir uns endlich trauen, mit diesen belasteten Figuren unserer Vergangenheit etwas freier umzugehen. Wenn Tarantino das macht, jubeln alle und benennen eine Straße in Babelsberg nach ihm. Warum sollten wir das nicht auch dürfen? Sie haben einst bei „Knockin on Heavens Door“ von Til Schweiger gespielt, nun gehen Sie mit seinen „Zweiohrküken“ ins Rennen um die Zuschauer – wie fühlt man sich als Konkurrent? Ich bin ein großer Fan von Til Schweiger und von Fatih Akin. Ich kann also nur sagen: Am besten schaut sich jeder Zuschauer beide Filme an! |












