Wie groß ist das Budget der Berlinale? Welchen Platz haben Sie im Vergleich zu Funkausstellung, Fashionweek oder Bread and Butter? Die Berlinale kostet etwa 18 Millionen Euro, und die finanzieren wir auch. Was den wirtschaftlichen Faktor für die Stadt betrifft, liegen wir schon ziemlich vorne: Es kommen gut 4.000 Journalisten und 16.000 Fachbesucher - für Bread and Butter sorgen also auch wir reichlich in Berlin. Sie waren einst Frauenbeauftragter für Hamburg, mit welchen Gefühlen laden Sie Roman Polanski auf Ihr Festival ein? Es läuft ein Gerichtsverfahren in der bekannten Sache gegen Roman Polanski. Verwunderlich dabei ist, dass Polanski seit vielen Jahren in der Schweiz wohnt und jetzt festgenommen wurde. Ich wünsche Polanski, dass die Gerechtigkeit siegen wird. Mit der Anwesenheit des Regisseurs ist wohl kaum zu rechnen? Wenn er freigesprochen wird, stünde der Sache nichts entgegen. Wie sehr wird die alte Tante Berlinale Web 2.0 tauglich? Wird der Festivaldirektor twittern, falls er allein und verlassen auf dem roten Teppich steht? Auf dem roten Teppich werde ich wie immer vor Kälte zittern, aber nicht twittern. Ich agiere noch nach dem alten Prinzip, dass ich analog und real am Berlinale-Palast stehe. Die Berlinale selbst ist natürlich voll im Netz dabei. Der gesamte „Talent Campus” wird online abgewickelt, man kann Tickets fürs Festival auf unserer Webseite bestellen, die Streamings der Pressekonferenzen und die Roten Teppich-Galas ansehen. Warum gibt es in Cannes und Venedig ständig Standing Ovations – und in Berlin so gut wie nie? Es gab auch in Berlin schon Standing Ovations, etwa als Martin Scorsese mit den Rolling Stones auf die Bühne kam. Solche ehrlichen Ovationen sind mir eigentlich lieber, als wenn man ständig steht und klatscht. Sie haben 2001 die Berlinale übernommen. Inzwischen fühlt der deutsche Film sich dort wohl wie nie, es gibt eine Reihe über Kino und Essen und sogar den Festivalkindergarten. Was steht als nächste Veränderung an? In ihrer Struktur ist die Berlinale inzwischen so, wie ich sie mir immer gewünscht habe. Insofern ist der runde Geburtstag ein Abschied vom bisherigen „immer wieder etwas Neues“. Nach chinesischer Zahlenmystik ist mit 60 ein Zyklus abgeschlossen und ein anderer beginnt. Werden Sie das 65ste Jubiläum noch vom Chefsessel des Festivaldirektors aus regieren? Wenn ich selbst 65 bin, werde ich jedenfalls noch da sein. Aber ich fühle mich noch nicht so, dass ich schon ans Ende denke. Ich denke jetzt erst einmal an die Eröffnung vom 11. Februar 2010 Welcher Film Ihres Jury-Präsidenten Werner Herzog würde auf das Festival am besten passen? Da schwanke ich zwischen „Fitzcarraldo“ und „Little Dieter needs to fly“… |











