CineZone: Herr Kosslick, zum 60sten Jubiläum forderten Sie das Publikum auf, lustige oder gar erotische Berlinale-Erlebnisse einzusenden – welche Anekdoten kamen dabei zu Tage? Dieter Kosslick: Meine Lieblingsgeschichte ist die von der Dame, die sich jahrelang mit ihrem Hund immer in die erste Reihe setzte. Ein Stuhl für sie, einer für den Hund. Als die Klappstühle kamen, wurde das Tier eingeklemmt und sie musste die Kinobesuche aufgeben Was hätte der Festivaldirektor an denkwürdigen Erlebnissen zu bieten? Da gibt es vieles. Etwa dass ich den spanischen als portugiesischen Botschafter angesprochen habe und auch sonst bisweilen Leute falsch begrüße. Oder es gibt jenen Smalltalk mit der nordkoreanischen Delegation, der ich erzählte, dass die Berlinale nun 60 werde und ich selbst 61 Jahre wäre. Nach kurzer Pause folgte als Antwort: „Dann leiten Sie das Festival ja schon, seit Sie ein Jahr alt sind”. Da erkennt man die nordkoreanische Treue zum Kind als Führer… Wie feiert das Festival seinen 60sten Geburtstag? Springt die „Berlinackte“ Bai Ling aus der Torte? Besonders freue ich mich auf die Welturaufführung des restaurierten und rekonstruierten Fritz-Lang-Klassikers „Metropolis“ mit Orchester und etlichen Geburtstagsgästen. Außerdem werden wir mit der Aktion „Berlinale goes Kiez“ unserem tollen Publikum danken und daran erinnern, dass Kinos wunderbare Orte der Kultur und Kommunikation sind. Die Zukunft des Kinos möchten wir gern zu einem zentralen Thema bei der 60. Berlinale machen. Zum Jubiläum erscheint auch eine DVD-Edition mit 22 Berlinale-Filmen sowie zwei Bücher; ein großartiger Bildband und ein historischer Rückblick auf 60 Jahre Festival. Voriges Jahr hatten Sie mit knapp 6.000 Einreichungen tausend Bewerber mehr als im Jahr davor – gibt es neue Rekorde zum Jubiläumsjahr zu vermelden? Die Zahlen sind wieder gestiegen, aber diese Rekorde machen eigentlich keinen Sinn mehr. Mit den Einreichungen vom letzten Jahr hätten wir theoretisch 13 Jahre lang Festival machen können – was wenig über die Qualität sagt. Viel bedeutender ist, dass sich unser „Talent Campus“ mit über 4.700 Einreichungen aus 145 Ländern über einen sprunghaften Zuwachs freuen kann. Das zeigt, wie gut dieses Engagement für den Nachwuchs inzwischen ankommt. Wie weit ist die wirtschaftliche Krise inzwischen beim Festival angekommen? Fehlen die Sponsoren wie in anderen Kulturbereichen? Durch das Vertragsende mit unserem bisherigen Auto-Sponsor sah es zunächst so aus, als müssten wir ein Formel 1-Auto mit angezogener Handbremse fahren. Zum Glück haben wir mit BMW einen neuen Partner, der nicht nur großartige Autos baut, sondern zudem auf umweltbewusste Produkte setzt. Unsere Sponsoringabteilung leistet gute Arbeit und wir freuen uns über zahlreiche neue Partner und stabile Einnahmen. Wir fahren also sportlich in Richtung Jubiläums-Berlinale. Nicht zuletzt auch, weil Kulturstaatsminister Bernd Neumann sich stark für die Berlinale engagiert. In Cannes gab es enorme Einbrüche bei der Teilnehmerzahl der Filmmesse – wie steht es in Berlin? Berlin gehört mit Cannes und Los Angeles zu den drei größten Filmmärkten der Welt – das wird sich zum Geburtstag nicht ändern. Durch unsere Jubiläumsrabatte ist es gelungen, dass der Filmmarkt wieder ausgebucht ist. Allerdings wird die Lage der Filmmessen schwieriger, weil es überall immer mehr davon gibt. |












