Deutscher Fördergelder sei Dank dreht Hollywood immer öfter in Berlin. Wäre es für die Berlinale nicht ein Vorteil, dass diese subventionierten Produktionen hier gefälligst auch Premiere feiern? Gezahlt für Tarantino wird in Berlin, gefeiert dann in Cannes…

Es wäre ein Vorteil, wenn die Produzenten uns die Filme zeigen müssten. Aber nicht, wenn wir sie dann auch alle zeigen müssen. Das ist ein großer Unterschied, von daher bin ich ganz zufrieden mit der Situation. Wir haben, wie erwähnt, aus sehr vielen Filmen auswählen können. Und auch der deutsche Film wird in diesem Jahr sehr stark präsent sein. 

Warum landet Tom Cruise mit seiner „Walküre“ nicht auf Ihrem roten Teppich?

Er hat mich nicht gefragt, ich habe ihn nicht gefragt. Es freut mich, dass der Film ankommt.

Der letztjährige Eröffnungsfilm über die Rolling Stones wurde im Kino zum Flop, der Bären-Gewinner kam gar nicht erst ins Kino, so wenig wie Madonna – hat ein Festival seine Funktion als Geburtshelfer für Kinochancen mittlerweile verloren?

Man kann auch andere Beispiele nennen: „Happy Go-Lucky“ wurde zum Beispiel ein ganz großer Kassen- und Kritikererfolg und auch die Stones sind auf DVD ein Hit. Die Auswahl der Berlinale bedient nicht die kommerziellen Hits, dennoch sind sehr viele Filme international erfolgreich. Als ein Don Quichotte fühle ich mich also nicht.

Wenn ein Berlinale-Direktor drei Wünschen frei hätte für das Festival…

Dass es Schnee gibt, es aber nicht zu kalt ist. Dass die Finanzkrise uns nicht nur miesepetrige Gesichter auf dem roten Teppich beschert. Und drittens, dass unser sensationeller Dokumentarfilm „Food Inc“ über den Verfall der Esskultur, den Zuschauern den Magen umdreht und dann die Augen öffnet, wie skandalös es in der Lebensmittelindustrie zugeht. Anschließend gibt es was guten zu Essen vom Meisterchef Tim Raue.

Sie selbst haben Ihren 60sten Geburtstag bereits gefeiert, nächstes Jahr steht das Ihrem Festival bevor. Werden Sie mit ähnlichen Kreationen zum Jubiläum aufwarten wie Ihr Cannes-Kollege Gilles Jacob, der einst selbstgemachte Geburtstagskuchen aus Filmschnipseln präsentierte?

Wir werden etwas ganz anderes machen. Statt einer anrührenden Film-Kompilation durch den Festivaldirektor wird es bei uns mehr Schneckennudeln und Kakao geben.


 
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