Am 5. Februar beginnen die 59. Berliner Filmfestspiele. Seit  Mai 2001 steht das wichtigste deutsche Filmfest, neben Cannes und Venedig das weltweit bedeutendste Festival, unter der Leitung von Dieter Kosslick (60). Mit einem Budget von rund 17 Millionen Euro ist die Berlinale längst zum Wirtschaftsfaktor geworden – neben dem Festival macht der parallel stattfindende Filmmarkt Berlin zwölf Tage lang zum Zentrum der Medienbranche. Mit dem Festivaldirektor sprach unser Mitarbeiter Dieter Oßwald. 

CineZone: Im vorigen Jahr sorgte der indische Mega-Star Shah Rukh Khan für eine ungeahnte Hysterie auf dem Festival. Diesmal geht die Reise nach Indien weiter – bleibt die Berlinale im Bollywood-Fieber?

Dieter Kosslick: Wir haben für Indien schon immer eine Bresche geschlagen: Auf der Berlinale sind damals im Forum die ersten Bollywood-Filme gelaufen. Der Höhepunkt wurde voriges Jahr erreicht mit dem Besuch von Superstar Shah Rukh Khan, dessen Film „Om Shanti Om“ im Berlinale Special lief.  Über 20.000 Mail Anfragen hatten kurzfristig unsere Homepage lahmgelegt. Indien ist ein interessantes Filmland, und wir bleiben dran!  

Sie hatten bei der Auswahl ein üppiges Film-Füllhorn von fast 6000 Filmen zur Verfügung – wird durch diese Masse die Klasse eines Festivals besser?

Wir hatten, um genau zu sein, 5977 Einreichungen, das sind fast tausend Kandidaten mehr als voriges Jahr. Rein rechnerisch könnten wir damit 16 Jahre Berlinale machen. Leider gibt es jedoch keinen Zusammenhang zwischen der Quantität der Bewerber und deren Qualität. Die große Anzahl der Einreichungen macht allerdings deutlich, wie stark die Attraktivität der Berlinale gestiegen ist. 

Umgekehrt ist die Zahl der zeitgleichen Glamour-Konkurrenten geschmolzen – freut oder schmerzt Sie der Wegfall der „Goldenen Kamera“?

Es war schon ganz schön, dass die Stadt durch die Goldene Kamera vorgewärmt war. Jetzt fangen wir eben wieder alleine an.

Hat die Finanzkrise auch das Festival erreicht?

Bislang haben wir keine Sponsoren verloren, unser Filmmarkt ist ausgebucht wie immer. Aber in den Filmen findet sich das Thema natürlich wieder. Was nichts mit hellseherischen Qualitäten von Filmemachern zu tun hat. Vielmehr standen die Folgen der Globalisierung schon lange auf der Agenda – und zu deren Auswirkungen gehört die Finanzkrise schließlich entscheidend. Es gibt auch ganz konkrete Auseinandersetzungen mit dem Thema: Ein Beitrag aus Taiwan beschäftigt sich mit dem Handel von Silberderivaten vor Hunderten von Jahren. Ein anderer Beitrag beleuchtet die katastrophalen Folgen der neoliberalen Wirtschafttheorie des Nobelpreisträgers und amerikanischen Präsidentenberaters Milton Friedman.

Aller Krise zum Trotz gibt es Platz für festivaluntypische Komik, der „Rosarote Panther“ flirtet mit dem Berlinale Bären…

Bei diesem Film habe ich, und zwar während der gesamten 90 Minuten, weit über meinem Niveau gelacht. Und da auch der „Panther“ die Welt rettet vor der Zerstörung durch Finanzgenies, ist es doch ganz gut, wenn es auch einmal lustig zugeht und nicht alles im Desaster endet. Es gibt auch noch mehr zu lachen bei dieser Berlinale – wobei die ernsten Themen natürlich ganz klar dominieren.


 
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