Etwas erstaunlich wirkt, dass die Terroristen im Film nur Joints rauchen - kamen da nicht härtere Drogen zum Einsatz?

Darüber haben wir diskutiert, aber es wurde letztlich verworfen. Drogen nimmt man, wenn man redet oder wenn man seine Ruhe hat. In diesem Film gibt es aber nie Zeit, alles geht sehr schnell, kaum fängt jemand an zu sprechen, wird schon die nächste Bombe geplant. Aus diesem Grund wird auch auf all die privaten Ebenen der Figuren weitgehend verzichtet - da wäre jedes Schicksal einen eigenen Film wert.

Sie sind 1971 geboren - welches Verhältnis haben Sie zur RAF?

Ich finde es ganz wichtig, dass dieser Film von einer Zeit erzählt, in der junge Menschen wirklich noch daran geglaubt haben, dass sie Dinge verändern können. Das ist heute nicht mehr so. Meiner Generation hat man den Glauben zur Veränderung genommen. Sicher gibt es noch politisch engagierte Jugendliche. Aber die Optionen sind nicht mehr vorhanden. Als ich aufwuchs, war der Kommunismus längst schon keine Alternative mehr.

Wären Sie ein Sympathisant gewesen?

Die Ideale waren sicher nobel, das ist ganz klar. Vielleicht hätte ich in der Anfangsphase, als noch keiner zu Schaden gekommen ist, einiges sympathisch gefunden. Sobald Menschen in Gefahr kamen, wäre es für mich definitiv vorbei gewesen. Für Gewalt wäre ich nie zu haben.

Wie wirken diese Taten der Terroristen auf Sie?

Natürlich gab es damals den großen Generationenkonflikt. Aber die Leute hatten eigentlich ein gutes Leben im Wirtschaftswunderland. Man konnte studieren, so lange man wollte. Es gab kein Hartz IV und keine Arbeitslosigkeit. Gesellschaftlich betrachtet gibt es heute zehnmal mehr Gründe, eine Revolution anzuzetteln - aber trotzdem wirft keiner mehr ein Ei.

Was ist von den RAF-Zeiten übrig geblieben?

Die gesellschaftlichen Veränderungen in bezug auf Moralvorstellungen, Rollenverteilung oder Erziehung muss man eher der Studentenbewegung anrechnen als der RAF. Das Erbe der RAF ist faktisch, dass Deutschland ein kleiner Polizeistaat wurde. Mir fiel das beim Drehen der Banküberfälle auf: Wir sollten über den Tresen springen und das Geld holen. Ich sagte zum Ausstatter, da fehlt doch noch die Scheibe. Und er meinte nur, das gab es damals alles nicht.

Hätten Sie Baader gerne getroffen?

Nein, was sollte ich mit ihm reden? Ich hätte keine brennenden Fragen an ihn. Da interessiert mich die Opferperspektive mehr, oder die Sicht der Vermittler. Helmut Schmidt würde ich zum Beispiel sehr gerne einmal treffen. Den Schmidt fand ich immer schon spannend.

Wie politisch ist Bleibtreu selbst?

Kaum. Das mag ein großer Mangel sein, aber für mich beschränkt sich politisches Handeln nur auf meinen näheren Umkreis. Wenn es dort jemandem schlecht geht, dann helfe ich sofort. Ich finde nicht, dass man als Prominenter automatisch in der Pflicht ist, die Welt retten zu müssen.



Der Baader Meinhof Komplex:
„Die RAF hat keine Revolutionsromantik“
Interview mit Bernd Eichinger



Kinosommer 2008:
Die Superhelden stehen Schlange
Fantasy bestimmt den Sommer - Karge Kost aus Deutschland



Der Baader Meinhof Komplex

 
Home · News · Kino · DVD · Kontakt · Impressum