Moritz Bleibtreu wurde 1971 als Sohn von Monica Bleibtreu und Hans Brenner geboren. Bekannt wurde er durch „Lola rennt“ und „Das Experiment“. Danach spielte er in Filmen wie „Knockin´ on Heaven´s Door“, „Elementarteilchen“ oder „München“ von Steven Spielberg. Nun gibt er den Andreas Baader in der Verfilmung von Uli Edel nach dem Drehbuch von Bernd Eichinger. Mit dem Schauspieler unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

CineZone: Wie spielt man Andreas Baader?

Moritz Bleibtreu: So eine Figur zu spielen ist schon ein Problem. Der Typ ist ein Legende, jeder hat sein ganz eigenes Bild von ihm - dabei existiert kein einziges Dokument, bei dem Baader gleichzeitig zu sehen und zu hören wäre. Es gibt Bilder und Tonaufnahmen, aber alles immer nur getrennt. Durch dieses Fehlen von Dokumenten wächst ein Mythos natürlich umso mehr. Solch eine Legende zu spielen, ist damit eigentlich immer zum Scheitern verurteilt.

Ist Scheitern keine schlechte Hypothek für einen Schauspieler?

Das war mir egal. Ein bloßes Nachspielen der Person hätte nie funktioniert. Meine Methode bestand darin, dass man diese Tonnen von Informationen in sich aufnimmt. Aber in dem Moment, wo man anfängt zu spielen, vergisst man das alles und spielt einfach so, wie man es für richtig hält. Spielen ist ein instinktiver Vorgang. Mein Job ist nicht Imitieren, sondern Interpretieren. Entscheidend ist zu versuchen, dem Geist und der Kraft dieser Legende gerecht zu werden.

Haben Bücher oder Erzählungen kein schärferes Bild der Legende ergeben?

Im Gegenteil: Die Bücher widersprechen sich komplett, ebenso wie die Aussagen der Zeitzeugen, mit denen ich sprach. Ich habe völlig verschiedene Darstellungen von Leuten gehört, die Baader angeblich kannten - wobei die Erzählungen von Frauen und Männer übrigens auffallend unterschiedlich ausfielen. Keiner weiß so genau, wie Baader wirklich war.

Wie würden Sie den Baader beschreiben?

Nach den Erzählungen von Zeitzeugen hatte Baader enorm viel Spaß an Waffen und war ein großer Fan von schnellen Autos. Er war extrem selbstverliebt und hatte ein wahnsinniges Geltungsbedürfnis. Er hatte eine ganz große Abneigung gegen jede Form von Autorität. Und er zeichnete sich dadurch aus, dass er im Unterschied zu den anderen nur wenig redete.

Haben Sie sich mit Ideen von Baader auseinandergesetzt?

Vor seiner Gefängniszeit findet sich von Baader kein einziges Schriftdokument, es gibt nicht einmal Mitschriften von Reden vor Studentenversammlungen. Geschrieben wurde hauptsächlich von Ulrike Meinhof und ein bisschen von der Ensslin. Das war eine sehr theoriewütige Zeit. Von diesen Meinhof-Kolumnen in „konkret“ würde ich keinen drei Sätzen folgen - und Baader wäre wohl wahrscheinlich keinem einzigen gefolgt.



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