Er hat „Der Name der Rose“ produziert, „Christiane F.“ und „Der Bewegte Mann“. Für „Nirgendwo in Afrika“ gab es den Oscar, mit „Der Untergang“ hat Bernd Eichinger der Nation den Hitler auf der Leinwand nahe gebracht. Zuletzt gelang ihm mit „Das Parfum“ die erfolgreiche Adaption von Patrick Süskinds Bestseller. Nun ist er Drehbuch und Produzent von „Der Baader Meinhof Komplex“, nach Vorlage des Standardwerks von Ex-„Spiegel“-Chef Stefan Aust. Mit Eichinger unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

CineZone: „Würden Sie einem Terroristen auf der Flucht Unterkunft gewähren“, heißt es im Film einmal in einer TV-Umfrage - was hätte Bernd Eichinger damals darauf antworten?

Bernd Eichinger: Ich habe damals in Wohngemeinschaften gelebt, wo ständig Leute aufgenommen wurden, die eine Schlafgelegenheit brauchten. Bei uns haben viele Fremde übernachtet - aber Typen mit Waffen hätten wir nicht aufgenommen. Schnorrer, die unseren Kühlschrank plünderten, hatten wir umso mehr. Es war eine wunderbare Zeit damals, wohl eine der besten meines Lebens.

Waren Sie damals ein Sympathisant?

Das hängt vom Zeitraum ab. Ich war sicher kein Sympathisant der RAF in der Phase, als sie Waffen benutzt hatten - was soll ich da noch sympathisch finden? Damit war für mich die Sache undiskutabel geworden.

Wie politisch bewegt war damals der heutige Erfolgsproduzent?

Unsere Eltern kamen aus der Kriegsgeneration, die wollten sich nicht äußern, sondern nur funktionieren. Die haben unsere Musik, die Kleidung und Frisuren nicht verstanden, das war einfach eine ganz andere Lebenseinstellung. Da kam diese 68er Zeit wie ein großer Befreiungsschlag, den man sich heute wohl gar nicht mehr vorstellen kann. Es gab Krach mit den Eltern und Krach mit den Instanzen. Die Frage war nur: Wie weit treibt man den Spaß?

Wie weit haben Sie den Spaß getrieben?

Ich bin kein Revolutionär, aber ich war immer gegen Autoritäten. Das mag daran liegen, dass ich in einem sehr strengen Internat aufgewachsen bin, wo Verbote und Bestrafen auf der Tagesordnung standen. Nach dieser Zeit dachte ich: „So, jetzt bin ich mal dran.“ Aber ich wollte nie Revolution machen, ich bin nie auf die Straße gegangen oder wollte den Staat kippen.

Man muss nicht gleich den Staat kippen wollen, wenn man auf die Straße geht...

Es wäre zu wünschen, dass Leute auf die Straße gehen - Demonstrationsfreiheit gehört zu unseren Grundrechten, aus solchen massiven Protesten sind einst die Grünen entstanden. Demokratie kommt zum Stillstand, wenn sie von den Bürgern nicht ständig auf die Probe gestellt wird. Aber die Zeiten von RAF und Waffengewalt sind vorbei. Die RAF war die Folge aus dem posttraumatischen Bewusstsein der Nazizeit.

Was wollten Sie mit dem Film beim Publikum erreichen?

Ich will eigentlich zunächst einmal gar nichts. Der Film wird schon irgendetwas mit den Leuten anstellen. Aber was das genau sein wird, kann ich wirklich nicht sagen - das meine ich ganz ohne Koketterie. Ich kann besser über mein eigenes Interesse an dem Stoff reden, und das war geprägt von einer gewissen Faszination einerseits, aber auch von Schrecken und sehr viel Ekel.



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