| Die Wüste Afrikas ist wohl eine der unwirtlichsten Plätze der Erde, um dort zu leben. Und genau hier wird die junge Waris Dirie geboren, wächst zusammen mit ihrer Mutter und Schwester auf und erlebt jeden Tag aufs Neue den ständigen Kampf ums Überleben. Hier fehlt es nicht an Wasser und Nahrung, sondern so gut wie an Allem. Gebräuche und Rituale jedoch gibt es unzählige und davon einige besonders drastische. Wie die Zwangsheirat, mit der die 13 jährige Waris konfrontiert wird. Doch zu viel hat das Mädchen schon in ihrer Kindheit erlebt, um diesen Brauch auch noch über sich ergehen zu lassen. Und so fasst sie den Entschluss, diesem Leben zu entfliehen. Zunächst flüchtet sie zur nächsten Angehörigen, ihrer Großmutter, nach Mogadischu, um dann von dieser weiter geschickt zu werden nach England, auf dass das Mädchen dort die Chance auf eine lebenswerte Zukunft bekommt. Als Hausmädchen bei einem Botschafter geht es der zur Frau heranwachsenden zunächst ganz gut, doch als die Botschaft wegen Unruhen in der Heimat kurzerhand aufgegeben wird, steht Waris von einem Tag auf den anderen auf den Straße - und das mitten in London. Zunächst ohne ein Dach über dem Kopf, muss sie wieder Tag für Tag ums Überleben kämpfen, bis sie eines Tages die quirlige Lebenskünstlerin Marilyn kennen lernt, die sich ihrer annimmt. Von diesem Zeitpunkt geht es in kleinen Schritten aufwärts. Waris lernt die Sprache, findet eine Unterkunft und schließlich einen Job als Reinigungskraft in einem Fastfood-Restaurant. Dort nun trägt sich ein gar ein märchenhaftes Ereignis zu. Ein unscheinbar wirkender Mann, der sie auf ihre Schönheit anspricht, entpuppt sich als Startfotograf, der in ihr Modelpontential sieht. Zunächst schlägt Waris sein Angebot für ein Shooting aus, wenig später wagt sie dennoch den Schritt, und ein kometenhafter Aufstieg als Model beginnt. Was sich hier wie eine Cinderella-Story liest, trifft teilweise auch auf den Film zu. Aus einfachsten Verhältnissen kommend, schafft es eine bis dahin unbekannte Schönheit, geradezu zur Prinzessin zu werden, zumindest angesichts manch großartiger Kleidungsstücke, die sie trägt. Doch so eindimensional und plump war die bewegende Geschichte der Waris Dirie weder in der Wirklichkeit, denn der Film beruht auf einer Autobiographie, die hierzulande die Bestsellerlisten im Sturm eroberte, noch ist deren Leben von Regisseurin Sherry Hormann („Irren ist männlich“) derart trivial inszeniert. Selbst als die junge Afrikanerin über Nacht zum Star der Modewelt wird, erlebt sie immer wieder Schicksalsschläge, die tief bewegen. Doch weitaus wichtiger und aufwühlender ist wohl der Hintergrund der Biografie und damit auch der Verfilmung, soll damit doch auf ein grausames Ritual aufmerksam gemacht werden: die weibliche Vaginalbeschneidung, die in Afrika noch immer gängige Praxis ist. Dieser musste sich auch Waris Dirie im Kindesalter zwangsweise unterziehen und trägt die Narben davon bis an ihr Lebensende mit sich herum. Eine derartige Grausamkeit am Menschen, die kaum in Worte zu fassen ist, findet in Hormanns Verfilmung letztlich auch Bilder, die für den Zuschauer nur schwer zu ertragen sind. Dem Anliegend entsprechend sind diese jedoch unerlässlich, da diesem Ritual ansonsten immer ein nebulöser Charakter anhaftet. Doch bis auf diesen erschütternden Schlussmoment wird jenes Thema größtenteils außen vor gelassen. Viel mehr scheint sich Hormann für die Lebensgeschichte ihrer Protagonistin auf der britischen Insel zu interessieren, die sie über weite Strecken recht sehenswert aufbereitet. Die herausragenden Highlights der Hormannchen „Wüstenblume“ sind jedoch der eindrucksvollen Präsenz der Hauptdarstellerin Liya Kebede geschuldet, die so manch inszenatorischen Mängel zu übertünchen vermag, der ausstrahlenden Lebensfreude vom britischen Wirbelwind Sally Hawkins, die einige langatmige Passagen vergessen macht, und der feinfühligen Charakterzeichnung des Fotografen, eindrucksvoll von Timothy Spall verkörpert, der die Ehre der Männerwelt dann doch noch ein wenig rettet. |















