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Im ersten Moment weiß man gar nicht, was man zu dieser witzigen Küchengeschichte sagen soll. „Cooler Film!“ wäre vielleicht der passendste Kommentar und es würde genügen. Doch Fatih Akins neuer, schon preisgekrönter Streifen verdient einige Worte mehr. Der Regisseur hat bis dato mit seinem Gesamtwerk noch nie das Publikum enttäuscht und beweist mit „Soul Kitchen“ erneut, dass er immer wieder in der Lage ist, mit den einfachsten Mitteln ein Meisterstück zu schaffen. Man braucht dazu nur „Helden“ und ihre „Helden(zu)taten“.

Die Geschichte selbst ist fast banal – so viel Alltag hat man selten auf der Leinwand erlebt. Die Handlung verläuft mal zielgerichtet, mal sehr zerstreut und verspricht keine Neuartigkeit. Die Charaktere können im Grunde genommen alle unsere Nachbarn sein... oder werden. Es basiert also alles auf Mittelmäßigkeiten. Wenn aber ein guter Regisseur diese einfach gestrickte Story in die Hand nimmt und sie am passenden Ort mit den geeigneten Akteuren zusammenfügt, dann entsteht eine herzerwärmende „Soul Kitchen“. Es ist ein Film, der jede Seele berühren kann, der jedem (s)eine eigene Geschichte erzählt, der wenig penetrant vorgeht, aber ganz viel individuelles Temperament enthält. Und das hat ganz viel Klasse.

Es mag sein, dass Figuren und Ereignisse auf den ersten Blick bloß die Klischees bedienen und auf Verhaltensmuster stützen. Denn, so würde mancher denken, je mehr Klischees auf der großen Leinwand bestätigt werden, desto glücklicher sind die Zuschauer und ihre eigene Welt der Schublädchen und Kästchen dreht sich unangetastet weiter. Sollte man tatsächlich mit einem Satz den Sinn der ganzen Handlung zusammenfassen, würde sich das in etwa so anhören: Die Griechen besitzen alle eine suspekte Kneipe und mindestens einen Verwandten, der im Knast sitzt.

Doch der zunächst oberflächliche Eindruck wird bald von den klischeehaften Partikeln befreit und die Botschaften und Aussagen werden sehr authentisch ausgetragen. Denn schließlich geht es hier um Freundschaft, um Vertrauen, um die Liebe zu dem Viertel, ja zur ganzen Stadt und zu ihren Bewohnern. Es geht um Optimismus und Nostalgie, um den Erhalt des Alten und um die Akzeptanz des Neuen. Es geht um das Dasein an sich.

Die Emigrantenthematik ist Hauptbestandteil in Akins Werken („Solino“, „Gegen die Wand“, „Auf der anderen Seite“). Sie lenkt die Charaktere, ihre Psychologie und die dramatische Vorgehensweise. Gleichzeitig scheint es aber, dass der Regisseur (und Autor) sich nicht an die üblichen Stories anpasst, die garantiert ein Millionenpublikum weltweit ernähren würden, sondern sich für Geschichten entscheidet, die einem am Herzen liegen. So entsteht auch eine tiefere Kommunikation zwischen Akins Geschichten und seinem Publikum – eine so standhafte Glaubwürdigkeit kann andernfalls gar nicht kreiert werden.

Man sollte ja schließlich das tun, was man am besten kann. Man sollte es aber auch so tun, als wäre man persönlich davon betroffen. Denn um von der Seelenküche der Griechen, Türken, Italiener oder Deutschen mittels Leinwand zu berichten, bedarf es ganz viel Herz und noch mehr Verständnis. Akin schafft den gut ausbalancierten Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, zwischen Welten und Kulturen, zwischen Veränderung und Beständigkeit und inszeniert seine Hamburger Soul-Comedy, als wäre sie eine persönliche Geste der Liebe und der Dankbarkeit für seine Heimatstadt.

 
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Drama, Komödie
Deutschland 2009
Ur-Aufführung D: 25.12.2009
DVD-Premiere D: 25.08.2010
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Länge: 99 min
FSK: ab 12
Regie: Fatih Akin
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Darsteller: Adam Bousdoukos#~2#~, Moritz Bleibtreu#~2#~, Monica Bleibtreu#~2#~, Anna Bederke#~2#~, Pheline Roggan#~2#~, Dorka Gryllus#~2#~, Wotan Wilke Möhring#~2#~, Marc Hosemann#~2#~, Cem Akin#~2#~, Catrin Striebeck#~2#~, Hendrik von Bültzingslöwen#~2#~, Jan Fedder#~2#~, Julia Wachsmann#~2#~, Simon Goerts#~2#~, Maverick Quek#~2#~, Markus Imboden#~2#~, Gudrun Egner#~2#~, Arne Benzing#~2#~, Lucas Gregorowicz#~2#~, Piotr Gregorowicz#~2#~, Hans Ludwiczak#~2#~, Jan Weichsel#~2#~, Peter Lohmeyer#~2#~, Gustav-Peter Wöhler#~2#~, Zarah Jane McKenzie#~2#~, Peter Jordan#~2#~, Wolfgang Schumacher#~2#~, Philipp Baltus#~2#~, Lars Rudolph#~2#~, Fritz Renzo Heinze#~2#~, Francesco Fiannaca#~2#~, Bülent Celebi#~2#~, Bernd Gajkowski#~2#~, Herma Koehn#~2#~, Joana Adu-Gyamfi#~2#~, Maria Ketikidou#~2#~, Till Huster#~2#~, Torsten Lemke#~2#~, Udo Kier#~2#~, Senol Ugurlu#~2#~, Emek Kavukcuoglu#~2#~, Birol Ünel#~2#~, Demir Gökgöl#~2#~, Ugur Yücel#~2#~, Klaus Maeck#~2#~, Ernest Hausmann#~2#~, Salman Kurtulan#~2#~, Jan Karpinski#~2#~, Torben Karstens#~2#~, Inna Knaus#~2#~, Thomas Schunke#~2#~, Mischuhin Zolot#~2#~