| Mit großen Erwartungen erscheint Till (Hannes Wegener) im Chefzimmer. Der bestens qualifizierte und engagierte Praktikant hofft auf eine Festanstellung. Sein Chef, Herr Feldmann (Michael Kind), bietet ihm jedoch nur eine Verlängerung des Praktikums an. Bevor Till sich vor lauter Elend von einem Hausdach stürzen kann, kommt ihm eine geniale Idee: Zusammen mit zwei Leidensgenossen gründet er eine Agentur für Praktikanten, die ungerechte Behandlung auch mal ganz unbürokratisch gegen Bezahlung aus der Welt schafft. Das Unternehmen floriert und expandiert, bis die gleichen Mechanismen vorherrschen, die Till vorher kritisiert hat. Aber was soll es? Er ist jung, attraktiv und erfolgreich! Als er auch noch zum Jungunternehmer des Jahres gekürt wird, fragen sich seine Eltern (Sabine und Christof Wackernagel) dagegen, was sie alles falsch gemacht haben. Schließlich haben die Alt-68 ihren Sohn auf jede Demo geschleppt und chronische Blasenentzündungen bei ihm riskiert, damit er politische Verantwortung übernimmt und dem Kapitalismus den Kampf ansagt. Wäre ihr Sohn doch wie Sydelia (Katharina Wackernagel). Die Linksaktivistin ist extra aus Paris gekommen, um Tills Aktivitäten zu unterstützen. Dass Till dagegen nicht die Welt sondern nur seinen Kontostand verbessern will, stachelt sie nur noch mehr an. Ganz davon abgesehen verbindet sie eine alte Liebesgeschichte. Als Till immer mehr unter seinen Teilhabern leidet, die ihn schließlich als fleischgewordene kapitalistische Bestien eiskalt aus der Firma herauskatapultieren, schlägt er sich schließlich auf Sydelias Seite. Gemeinsam organisieren sie einen Aufstand der Praktikanten, der noch die ganze Nation bei den Tagesthemen wachrütteln soll. Zugegeben, der Film legt seine Finger in eine offene Wunde unserer Zeit. Die so genannte Generation Praktikum gibt oft alles, nur um dann ein Empfehlungsschreiben für das nächste Praktikum zu erhalten. Nachdem dieses Thema glücklicherweise in den Feuilletons der Zeitungen und verschiedenen Talkrunden ernsthaft besprochen wird, war es nur eine Frage der Zeit, wann sich auch ein Spielfilmregisseur an das Thema wagt. Der Drehbuchautor und Regisseur Jonas Grosch („Der Weiße mit dem Schwarzbrot“) verarbeitet das aktuelle Thema der Selbst- und Fremdausbeutung in einer Komödie, die leider alle Ernsthaftigkeit verschenkt. Zum einen ist die Story völlig überfrachtet, da der Protagonist nicht nur gegen das System sondern gleichzeitig mit seiner Vergangenheit in Form seiner Eltern und seiner alten Liebe Sydelia kämpfen muss. Dadurch, dass Sydelia sich auch noch penetrant mit seinen Eltern verbündet, um ihn rational und emotional zu Raison zu bringen, wirkt sein Privatleben nicht weniger bedrohlich als die Arbeitswelt. Jegliche Einsicht wird dem Helden mit dem Holzhammer verabreicht und gern mit Sprüchen von Rosa Luxemburg oder Lenin garniert. Dabei hat man noch das Gefühl, dass der Regisseur seinem Helden die Sympathie entzieht, bis dieser endlich richtig eingenordet ist. Das Arbeitsleben bietet schon grotesken Stoff genug, wie die gelungenen Szenen durchaus zeigen. Der spanische Praktikant, der den ganzen Tag nichts anderes machen darf, als zwei Stecker zu wechseln, wirkt viel beklemmender als der gutartige Tumor in Form eines Golfballs im Gehirn des Helden. Die surrealen Einsprengsel hätte sich Grosch lieber sparen und stattdessen ein wirkliches Auge auf die Nöte seiner Figuren werfen sollen. Dass zu den Folgen des Praktikantengeneralstreiks Blut bespritzte Chirurgen und gestresste Auftragskiller zählen, wirkt einfach lächerlich. Bei „Résiste“ handelt es sich in erster Linie um ein überdimensional großes Flugblatt mit dem Aufruf, Widerstand zu leisten. Berechtigt ist dieser Wunsch mit Sicherheit, aber die Machart des Films suggeriert eher den Spaß am politischen Aktivismus mit dem passenden Outfit als ein ernsthaftes Anliegen. Er verschenkt sein Potential, indem er sich selbst nicht ernst nimmt. Trotzdem ist der Widerstand bei dem einen oder anderen Gag schwer und das Entwicklungspotenzial dem jungen Regisseur kaum abzusprechen. |













