| Coraline, ein junges, angenehm freches Mädchen, zieht mit ihren Eltern von Michigan in ein Haus ins Niemandsland Oregons. Das Haus ist grau, der Himmel ist grau, es regnet und ihre Eltern haben wenig Zeit, sich um ihre Tochter zu kümmern. So beginnt Coraline mit der Erkundung der Umgebung und des Hauses. Dabei lernt sie eine Handvoll verschroben bis liebevoller Charaktere kennen, die ihr im weiteren Verlauf der Geschichte hilfreich sein werden. Da tummeln sich zwei ältliche ehemalige Schauspielerinnen im Kellergeschoss und den Dachboden bewohnt ein Zirkusdirektor, dessen Artisten, nämlich Mäuse, Coraline nicht zu Gesicht bekommt. Nach den neuen Bekanntschaften treibt es Coraline zu weiteren Erkundigungen. Durch einen versteckten Eingang in einer Zimmerwand entdeckt sie einen Tunnel, der sie direkt in eine Spiegelwelt führt. Als geistige Schwester von Jack Skeleton wechselt sie nun zwischen den Parallelwelten, bis sie sich für eine Seite entscheiden muss. In der Spiegelwelt findet sich ihr Zimmer wieder, allerdings ist es farbenfroh und kindgerecht eingerichtet. Hier findet sie auch ihre Eltern wieder, die weniger bieder als ihre eigentlichen Eltern angezogen sind. Ihre Mutter schminkt sich und hat einen trendy Haarschnitt, und ihr Vater sieht plötzlich wie ein durchgeknallter Künstler aus. Und natürlich gibt es auch kein gesundes (igitt!) Essen, sondern Spaghetti, Pizza und Süßigkeiten im Überfluss. Dass mit der „anderen“ Mutter etwas nicht stimmen kann, schwant einem bei soviel Übermaß an erfüllten Wunschträumen natürlich schon. Ihre durch Knöpfe ersetzten Augen stimmen Coraline auch nachdenklich… Henry Selick hat nach den großartigen „Nightmare Before Christmas“ und „James und der Riesenpfirsich“ einen weiteren Puppenanimationsfilm im Stop-Motion-Verfahren für Kinder und Erwachsene geschaffen. Wüsste man das nicht, wähnte man nach den ersten Bildern in einem Tim Burton-Film, der Produzent und Mastermind der genannten Filme war. Obwohl er seine talentierten Finger in „Coraline“ nicht im Spiel waren, haben sowohl die Düsternis der Geschichte als auch das komplette Setdesign große Verwandtschaft mit seinen Arbeiten. So finden sich die fragil überlängten Arme und Beine der Protagonisten aus Burtons Animationsfilmen wieder, aber auch die spiralartig gewundenen Baumäste könnten in den Kulissen von „Nightmare“ und „Sleepy Hollow“ gestanden haben. Die erwachsenen Zuschauer werden zudem durch den aus „Psycho“ bekannten Hausbewohner, den wir aus bedrohlicher Froschperspektive zu sehen bekommen, und die an Bernhard Herrman angelehnte Hitchcock-Musik unterschwellig auf die richtige Fährte gelockt: Die Mutter wird zu einem ernsthaften Problem. Wenn Coraline in der „anderen“ Welt bleiben möchte, muss sie ihre Augen opfern und ebenfalls durch Knöpfe ersetzen lassen. Sie hat jedoch eine Chance zu entkommen und ihre Familie zu retten, gewinnt sie die ihr angebotene Wette. Mit Unterstützung ihrer neuen Freunde stellt sich die tapfere, kleine Coraline der Herausforderung. Ein Heer von Mitarbeitern hat an der Herstellung des Films mitgewirkt, dessen visuelle Opulenz und Detailverliebthat grenzenlos zu sein scheint und dessen künstlerischer Reichtum sich unmöglich nach nur einmaligem Anschauen erschließt. „Coraline“ ist zudem der erste in 3-D konzipierte Film dieser Technik, und wer die Möglichkeit hat, den Film dreidimensional zu sehen, sollte sie nutzen. Die beiden Filmwelten wirken in all ihrer Phantastik noch plastischer und verführerischer. Der nach dem erfolgreichen Kinder- und Jugendroman von Neil Gaimann entstandene Film ist für einige junge Besucher aufgrund vieler Grusel- und Schreckmomente mit Vorsicht zu genießen - für mutige Kinder jedoch mehr als zu empfehlen. |













