| Gut zweieinhalb Jahre nach Sacha Baron Cohen letztem selbst produziertem Kinostreich, dem provokativ, kulturellen Verbindungsversuch zwischen Kasachstan und den U.S.A., schlüpft der britische Ausnahmekomiker in einen weiteren Charakter seiner legendären „Ali G Show“. In Puncto Schamlosigkeit steht Brüno dabei seinem Kollegen Borat natürlich in nichts nach. Die Figur des homosexuellen, österreichischen Modejournalisten für den fiktiven Fernsehsender OJRF (Österreichischer Jungen Rundfunk), also dem Gay-TV der Alpenrepublik, hält sich für schillernd und verkörpert dies mit seinen extravaganten Outfits auch - leidet aber dennoch unter mangelnder Popularität. Dies nun will Brüno ändern, erst recht nach seinem unrühmlichen Ausscheiden aus der Fashion-Journalie, die einem Unglück mit einem Ganzkörperklettoutfit bei einer Mailänder Modenschau zu schulden ist. So begibt sich der Kanarienvogel-gleiche Brüno auf eine Reise um die Welt und lässt dabei keine noch so absurde Möglichkeit aus, sich ins Rampenlicht zu stellen. Gediegener oder auch subtiler Humor ist sicher etwas Feines. Diesen aber in Zusammenhang mit Sacha Baron Cohens extravaganten Charakteren zu bringen, wäre geradezu ein Affront gegenüber dieser Form der Unterhaltung. Sein Handwerkzeug ist nämlich kein filigraneres als die Brechstange. Dabei entwirft der Komiker aber keinesfalls oberflächliche Figuren, die mit simplen Provokationen nach Lachern angeln, sondern vielmehr sind diese konzeptionell bis ins Detail ausgereift. Das Auftreten an sich und die Situationen, in denen Ali G, Borat wie auch Brüno agieren, bilden einen Teil des Spaßes. Mit schrägen Oufits, ulkigen Slangs oder aber der Fähigkeit intuitiver Improvisation versteht es Baron Cohen spielend, sein Publikum zu unterhalten. Darüber hinaus basiert der Erfolg auf seiner Fähigkeit, seine Interviewpartner dazu zu bringen, sich selber zu entlarven - alle drei Figuren und Konzepte basieren nämlich auf dem Prinzip des Interviews. Vergleiche mit Dokumentarfilmer Michael Moore, die allzu gerne herangezogen werden, hinken insofern, als dass dieser sich eher einer Montage bedient oder auch einer Gegenüberstellung von Äußerungen der Befragten zu verschiedenen Zeiten über ein Thema. Dieser dokumentarische Ansatz findet sich in Baron Cohens Filmen nicht wieder. Er geht den direkten Weg. Mal als plumpe Provokation, wenn er in „Brüno“ innerhalb einer Talkshow das Publikum wegen seines schwarzen Adoptivbabys erzürnt, mal durch Suggestivfragen, wenn er selbst ernannte Wohltätigkeitsexperten nach neusten Trends hinsichtlich trendiger Spendenaktionen auf den Zahn fühlt, oder gar mit Präsentationen, wie der bereits im Trailer zu sehenden Selbstverteidigungsmaßnahme gegen Dildo-Angreifer. Baron Cohen versteht es als Brüno phänomenal, heiße Eisen anzupacken und diese in die gewünschte Form der Unterhaltung zu bringen. Der rote Faden jedoch, der in „Borat“ wesentlich stringenter verfolgt wurde, verliert sich in „Brüno“ leider immer mal wieder. Leitthema soll zwar sein, dass der österreichische Fummeltrinenverschnitt um die Welt reist, um auf verschiedenen Wegen Berühmtheit zu erlangen, dann aber verlagert sich das Geschehen eher darauf, Homophobien zu Tage zu fördern oder diese zu entlarven. Auch hinsichtlich der Authentizität hinkt der Film dem Vorgänger etwas hinterher. Dass viele Situationen allein schon aus Popularitätsgründen nicht mehr direkt entstehen können sondern inszeniert werden, liegt auf der Hand, aber der Anschein des Echten ist in „Borat“ deutlich stärker ausgeprägt. Dies soll den allgemeinen Spaßfaktor dennoch nur wenig trüben. Viel zu krass sind die Dinge, die Brüno anstellt, als dass sie nur ein Schmunzeln hervorbringen könnten. Viel eher wird der Saal grölen ob der Unverschämtheiten, Absurditäten und der schier grenzenlosen Schamlosigkeit die geboten wird. Und insbesondere bei der eigenen Scham kennt er sichtbar keine Gürtellinie. |













