Nach dem oscarprämierten „No Country for Old Men“ und dem sich furios um ein großes Nichts drehenden Starvehikel „Burn After Reading“ unterlaufen die Coens die Erwartungen ihrer zuletzt hinzu gewonnenen Zuschauer mit einem rabenschwarzen Drama im jüdischen Milieu der sechziger Jahre.

Mit „A serious man“, betonten Joel und Ethan Coen in im Vorfeld der Veröffentlichung des Films geführten Interviews, näherten sie sich filmisch ihrer eigenen Vergangenheit und Herkunft. Während der „Dude“ Big Lebowski  Los Angeles auf den Kopf stellt, in „No Country for Old Men“ ein alttestamentarisches Texas und in „Burn After Reading“ ein durch Verschwörungstheorien hysterisiertes Washington vorgeführt werden, begeben sich die Regie und Drehbuch teilenden Brüder mit ihrem neuesten Film in die beschauliche Anonymität ihrer Heimat irgendwo im Niemandsland des Mittleren Westen. Dazu stellen sie einen bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzten Cast aus nahezu unbekannten Schauspielern zusammen.

Larry Kopnik (Michael Stuhlbarg) wohnt mit seiner Frau und seinen Kindern in einer typischen amerikanischen Vorstadt des Mittleren Westens. Er hat einen guten Job als Physikprofessor am örtlichen College und versucht den vor sich hin dösenden Studenten das Dilemma von „Schroedingers Katze“, die zugleich tot und lebendig ist, beizubringen. Während Schroedingers Katze nur tot oder lebendig ist, scheint sich Larry in einem Zwischenreich zu bewegen. Anders ist seine somnambule Stoik, mit der er die auf ihn einhagelnden Schicksalsschläge hinnimmt, nicht zu erklären.

Plötzlich geht in seinem komfortabel eingerichteten Leben so ziemlich alles den Bach runter. Seine Frau eröffnet ihm nebenbei, dass sie sich von ihm trennen will. Aber nicht nur das. Sie fordert eine Scheidung nach jüdischem Ritus, damit sie sich mit dem heuchlerisch anbiedernden Sy Ableman (Fred Melamed) neu vermählen kann. Probleme bereiten ihm auch seine Kinder. Während seine Tochter ihn und seine Frau heimlich bestiehlt, um eine Nasenoperation bezahlen zu können, interessiert sein Sohn (Aaron Wolff als Alter ego der Coens) sich nur für seine Lieblingsfernsehsendung, das Kiffen und Jefferson Airplane. Ihr „Somebody to love“ wird im Laufe des Films immer wieder an zentralen Stellen leitmotivisch eingesetzt, um Larrys Ausweglosigkeit wenigstens einen Funken Hoffnung entgegenzusetzen.

Larry, der rationale Professor der Physik, wendet sich in seiner Verzweiflung schließlich an die örtlichen Rabbis. Doch auch die Vertreter des Glaubens und des Irrationalen, die über das „Wunder des Parkplatzes“ sinnieren und weiteren Nonsense höherer Ordnung für Larry bereithalten, vermögen ihm nicht zu helfen. Nachdem er sich von Frau und Kindern verlassen fühlt und inzwischen in ein Motel umgezogen ist, bietet er seiner attraktiven Nachbarin umständlich und verklemmt „nachbarschaftliche Hilfe“ an. Seine sexuellen Wünsche erfüllen sich zwar nur im Traum, aber mit einem Joint verhilft ihm Mrs. Samsky (Amy Landecker) wenigstens zu kurzen Momenten der Entspannung.

Die dramatische Konsequenz mit der sich Larrys Leidensweg entwickelt, wird jedoch immer wieder durch Szenen absurdest komischer Momente unterbrochen. Die Dialoge, die er mit seinem koreanischen Schüler und dessen Vater führt sowie die Konfrontationen mit seinem Rednecknachbarn muten nahezu surreal an. Höhepunkt ist jedoch, die wie durch die Augen des bekifften Sohnes wahrgenommene Bar Mitzwa Zeremonie. Roger Deacon, der schon für viele Filme der Coens als Kameramann verantwortlich zeichnet, findet auch hier die richtigen Bilder, um das absurde Suburbia, die Verlassenheit Larrys und den allgegenwärtigen schwärzesten Humor visuell umzusetzen.

Wer hier auf Erlösung hofft, ist jedoch im falschen Film. Für alle anderen gilt: Accept the mystery. Oder auch nicht.

 
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Komödie, Drama
USA, Großbritannien, Frankreich 2009
Ur-Aufführung D: 21.01.2010
DVD-Premiere D: 14.07.2010
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Länge: 105 min
FSK: ab 12
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
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Darsteller: Michael Stuhlbarg#~2#~, Richard Kind#~2#~, Fred Melamed#~2#~, Sari Lennick#~2#~, Aaron Wolff#~2#~, Katherine Borowitz#~2#~, Jessica McManus#~2#~, Adam Arkin#~2#~, Peter Breitmayer#~2#~, Brent Braunschweig#~2#~, David Kang#~2#~, Alan Mandell#~2#~, Amy Landecker#~2#~, George Wyner#~2#~, Michael Tezla#~2#~, Allen Lewis Rickman#~2#~, Yelena Shmulenson#~2#~, Fyvush Finkel#~2#~, Benjy Portnoe#~2#~, Jack Swiler#~2#~, Andrew S. Lentz#~2#~, Jon Kaminski Jr.#~2#~, Ari Hoptman#~2#~, Steve Park#~2#~, Ronald Schultz#~2#~, Raye Birk#~2#~, Jane Hammill#~2#~, Claudia Wilkens#~2#~, Simon Helberg#~2#~, Jim Cada#~2#~, Michael Lerner#~2#~, Charles Brin#~2#~, Michael Engel#~2#~, Tyson Bidner#~2#~, Phyllis Harris#~2#~, Piper Sigel-Bruse#~2#~, Hannah Nemer#~2#~, Rita Vassallo#~2#~, Warren Keith#~2#~, Neil Newman#~2#~, Tim Russell#~2#~, Jim Lichtscheidl#~2#~, Wayne A. Evenson#~2#~, Scott Thompson Baker#~2#~, Landyn Banx#~2#~, Alana Bloom#~2#~, David Cohen#~2#~, Amanda Day#~2#~, Devon A Early#~2#~, John Edel#~2#~, Jon Foss#~2#~, Rachel Grubb#~2#~, Steven Wothe Jr#~2#~, Punnavith Koy#~2#~, Nicole Kruex#~2#~, Tammara Melloy#~2#~, Helen Murray#~2#~, Lisa Pechmiller#~2#~, Asher Pink#~2#~, Lisa-Lou Rosenberg#~2#~, Benjamin Terry#~2#~, Joel Thingvall#~2#~