| Ein hochgewachsener Mann mit Lockenkopf und sichtbarem Bauchansatz tritt vorsichtig aus seiner Pariser Wohnungstür auf die Straße. Alle paar Schritte bleibt er stehen, blickt sich um, mustert die Szenerie. Er ist nervös. Das gleiche gilt für seine Freundin, die nach ihm auf die Straße kommt und ihm mit ein paar Metern Abstand folgt. Gemeinsam steigen sie in einen metallic-braunen BMW 528 und fahren los. Es ist der 2. November 1979, der Mann heißt Jacques Mesrine (Vincent Cassel). Er ist Staatsfeind Nr. 1 und der meistgesuchte Mann Frankreichs. Neben ihm sitzt seine Lebensgefährtin Sylvie Jeanjacquot (Ludivine Sagnier). Kurz bevor sie am Porte de Clignancourt an einer Ampel zu stehen kommen, drängt sich ein blauer Lieferwagen vor sie. Urplötzlich hebt sich die Deckplane und Mesrine starrt in mehrere Gewehrläufe, die auf ihn gerichtet sind. Sylvie schreit... Zwanzig Jahre früher ist Mesrine 22 Jahre alt und als Soldat in Algerien stationiert. Angewidert muss er der Folter eines jungen Widerstandskämpfers beiwohnen und wird von seinem Vorgesetzten gezwungen, die Waffe auf dessen Schwester zu richten, um den Mann zum Sprechen zu bekommen. Als er abdrücken soll, reißt Mesrine entsetzt die Knarre herum und tötet den Widerstandskämpfer. Er weiß, dass er diesen Krieg keinen Tag länger ertragen kann. Kein Gesetz, keine Autorität, nichts soll ihn künftig bremsen. Als Handlanger des Pariser Unterweltbosses Guido (Gérard Depardieu) macht sich der junge Mann schnell einen Namen als ebenso charismatischer wie eiskalter Typ. Nach seinem ersten Mord taucht er zunächst in Spanien unter. Als er zurückkehrt, heiratet Mesrine die Spanierin Sofia (Elena Anaya). Obwohl sie drei Kinder miteinander haben, hält es Sofia nicht lange mit ihm aus. Mesrine macht als Verbrecher unbeirrt weiter, mit der verwegenen Jeanne Schneider (Cécile De France) an seiner Seite und immer tollkühneren Coups. Bald ist Frankreich ein zu heißes Pflaster. Mesrine und Jeanne setzen sich nach Kanada ab – und geraten dort in die Hände der Staatsgewalt. Die Haftbedingungen sind erbarmungslos, doch Mesrine schlägt zurück... Das Reizvolle des Films ist, dass Jacques Mesrine eine reale Person war. Seine Geschichte hat es wirklich gegeben und er hat ganz Frankreich aufgemischt. Ähnlich wie der Baader Meinhof Komplex. Regisseur Jean-Francois Richet hat einen gutes Action-Drama geschaffen, das gekonnt die Person und Persönlichkeit Mesrines beschreibt und für den Zuschauer greifbar macht. Man bekommt ein Gefühl für das damalige Frankreich und seinen größten Feind Mesrine. Das dies so gut gelingt ist vor allem der Verdienst des großartigen Vincent Cassel. Er ist Mesrine. Er ist seine Aggression, sein Körperlichkeit, sein Brutalität und Verschlagenheit, sowie seine Egomanie und Skrupellosigkeit. Wie ein Chirurg seziert Richet mit präzisen Schnitten das Wesentliche im Leben Mesrines und bringt so die Dynamik in den Streifen. Etwas zu kurz kommt die Dramaturgie. Für manche Sequenzen wünscht man sich einen spannenderen szenischen Aufbau. Das dürfte teils dem Umstand geschuldet sein, dass viel zu erzählen und die Geschichte Mesrines bekannt ist. Trotzdem ist „Public Enemy“ ein hervorragender Film, erstklassig gespielt, mit perfekter Ausstattung und guter Regie. Wer Eichingers Baader mochte, der wird von Mesrine begeistert sein. |













