| Drei Jahre vergingen, bevor Richard Nixon das erste Mal öffentlich Stellung zum Watergate-Skandal bezog, jener Affäre, die ihn das Präsidentenamt kostete. In einem über mehrere Tage angelegten Interview stellte er sich schließlich dem britischen Talkshowmoderator David Frost, in der Annahme, diesem verbal überlegen zu sein. Dieses Interview soll in die Geschichte eingehen. Jene Ereignisse aus dem Jahr 1977, die sich vor und hinter den Kulissen abspielten, zeichnet Ron Howard packend in einem dokumentarisch anmutenden Thriller nach. Es ist der Kampf zweier Duellanten, deren Waffe das Wort ist. Heutzutage lässt eine mediale Auswertung über (Miss-)Erfolge politischer Karrieren nicht lange auf sich warten. Jüngstes Beispiel ist Oliver Stones Biografie über den kürzlich aus dem Amt geschiedenen George W. Bush, die bereits vor Vereidigung des Nachfolgers in den amerikanischen Kinos starte, hierzulande nur auf DVD veröffentlicht bzw. vor zwei Wochen im TV ausgestrahlt wurde. 1974 wird das öffentliche Interesse an Hintergründen zum mächtigsten Mann der Welt und dessen Fall gewiss gleichermaßen hoch gewesen sein, doch die schändlichen Umstände der Watergate-Affäre, die viele offene Fragen hervorrief, die letztlich nur Nixon hätte selber klären können, sollten zunächst in den Deckmantel des Schweigens gehüllt werden. Persönlich nicht gewillt und durch Amtsnachfolger Gerald Ford nicht genötigt (denn dieser sprach Nixon sogleich eine generelle Begnadigung aus) brauchte es drei Jahre, bis einige Wahrheiten ihren Weg ans Tageslicht, oder besser gesagt ins Rampenlicht schafften. Der britische Talkshowmaster David Frost, nicht gerade für investigativen Journalismus bekannt, witterte die Chance auf ein großes Geschäft nebst einer journalistischen Reputation und forderte Nixon zu einem umfassenden Interview heraus. Dieser wiederum sah, neben einer ordentlichen Summe Kleingeld, die ihm in Aussicht gestellt wurde, die Möglichkeit, sein Wirken und Schaffen zweier Amtszeiten erneut im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern, um sich so zu rehabilitieren und auch für sich selbst Frieden zu finden. Wie wir heute wissen, kam es letztlich nicht dazu. Aber der Weg dahin war nicht nur damals unglaublich spannend, sondern ist es auch in Ron Howards Schilderung der Ereignisse. Daher ist der Ausgang nur ein unwesentlicher Teil des Bogens, den er spannt. Der entscheidende ist das Duell der beiden Wortgiganten, die immer mehr über sich hinaus wachsen im Kampf um ihr professionelles Überleben und im ständigen Bewusstsein, dass es nur einen Sieger geben kann. Das Ergebnis ist eine höchst spannend inszenierte sowie von Michael Sheen und Frank Langella brillant gespielte Geschichtsstunde, die berechtigt mit stolzen fünf Nominierungen ins diesjährige Oscar-Rennen zieht. |












